Neben seinen unzähligen Erfolgen meisterte Chris Pfeiffer sein Abitur und die Ausbildung auf Flöte, Klarinette und Akkordeon. "Wäre ich nicht Stuntfahrer geworden, wäre ich jetzt Musiker", sagt Chris Pfeiffer. Das mit der Musik beließ er dann doch beim Hobby. Pfeiffer siedelte nach München über, um Biologie und Sport zu studieren. Der erste Schritt in die professionelle Motorradkarriere. Ein Auftritt in der Münchner Olympiahalle sorgte für einiges Aufsehen, brachte Medienberichte und diesen wiederum folgten immer mehr Anfragen für Auftritte. Mit 26 war Chris professioneller Freestyler (was ihn nicht daran hinderte, sein Studium erfolgreich abzuschließen).
In seinem ersten Profijahr zählte er zu den Finishern beim Gilles-Lalay-Classic, dem härtesten Offroad-Rennen der Welt, siegte bei der Offroad-Challenge und beim Red Bull Harescramble am Erzberg/Steiermark (Österreich), einem der härtesten Enduro-Bewerbe (bei dem er übrigens auch 1997 unbesiegt blieb). Und er hatte Ideen.
Zum Beispiel jene, die 250 Meter lange "Via Tina" am Gardasee, eine Kletterroute mit Schwierigkeitsgrad 3, zu erklimmen nicht mit Seil und Kletterschuhen, sondern mit dem Bike. Versuch eins scheiterte 30 Meter vor dem Ausstieg, weil der Vergaser streikte - ein Busch rettete Pfeiffer vor dem Absturz. Versuch zwei gelang. "Die Wand und ich haben einander gezeigt, was wir können."
1997 gelang Chris Pfeiffer der Sprung ins Guinness-Buch der Rekorde. Beim Motorrad Grand Prix am Nürburgring flog er über 33 nebeneinanderliegende Menschen - ohne Rampe, wohlgemerkt. Die problematische Mischung aus dem Versuch, den eigenen Rekord zu brechen, und einem Bremsversagen brachte ihn zwei Jahre später erstmals in seiner Profilaufbahn ins Krankenhaus: Chris donnerte nach dem Sprung über 35 Menschen mit 50 km/h gegen eine Betonwand. Jochbein, Handgelenk und Kniescheibe waren gebrochen. Als ihm der Arzt riet, den Sport zu wechseln, wechselte Chris den Arzt. Weil man in der Reha-Klinik das Biken nicht unbedingt als ideale Therapiemaßnahme sah, begann Christian heimlich, sich wieder ans Motorrad zu gewöhnen.
Beim Erzbergrennen 2000 siegte er zum dritten Mal (das vierte Mal sollte 2004 folgen). Ein solches Comeback machte Lust auf frische Inspirationen - zum Beispiel in Form eines Fernstudiums - via DVD bei brasilianischen Freestyle-Profis wie AC Farias. Pfeiffer studierte die Brasilianer und begann danach, auf brasilianische Art mit Straßenmotorrädern umzugehen. 2003 traf er AC Farias erstmals persönlich, Anlass war die Stuntriding-Weltmeisterschaft im tschechischen Bechyne, Ergebnis der WM-Titel nicht für AC, sondern für CP. Letzterer durfte nach einigen kleineren Modifikationen am Gerät - unter anderem einer Verkürzung des Hecks - bald darauf einen neuen Spitznamen in seine Sammlung aufnehmen: "Mr. One o´clock" nannten sie ihn, nachdem er als Erster einen 110-Grad-Wheelie gezeigt hatte. 110 Grad bedeuten überhängend - offenbar hat hier jemand ernsthaft Lust, sich mit der Schulphysik anzulegen.
Mehr zu Chris Pfeiffer: www.chrispfeiffer.com