Er lebt am Vulkanstrand und surft zu radikal für sein Alter. Die Fachwelt hält ihn für ein Wunderkind. Philip Köster selbst wundert das am allermeisten.
Wenn Gran Canarias Windsurfer über Philip Kösters Manöver sprechen, bleibt unterm Strich die Bewunderung fürs Extreme. Mit „krassem Speed“ sei der Junge auf die Wellen zugefahren, seine Frontloops springe er „abartig hoch“. Und überhaupt: Was Köster da am Wasser aufführe, sei „einfach nur krank“.
Es sind Gespräche, die Unerhörtes beschreiben. Und es sind hitzige Gespräche. Sie handeln von einem Ausnahmetalent, das den Windsurf-Sport in den kommenden Jahren prägen wird.
Philip Köster: deutscher Pass, geboren in Las Palmas, aufgewachsen am Playa de Vargas an der windigen Ostküste Gran Canarias. Seit 2008 mischt der Junge mit der dunkelblonden Mähne in der Windsurf-Weltmeisterschaft vorne mit. In seiner Disziplin, dem Waveriding, geht es um das stilvolle Abreiten großer Wellen und um die Kunst, möglichst hohe, technisch anspruchsvolle Sprünge zu zeigen.
Zu den weniger schönen Erfahrungen dieser Sportart gehören Stürze aus mehreren Metern Höhe ins tobende Wasser. „Man merkt schon in der Luft, wenn ein Sprung schiefgeht“, erklärt Köster. In die Luft muss er aber, um ein guter Windsurfer zu werden. Beste Herangehensweise an das Problem: „keine Angst haben“ und „am wichtigsten ist der Spaß“.
Über Köster sagen sie, er bewege sich am Board wie eine Katze, weil er sein Brett beim Frontloop erst im letzten Moment nach vorne dreht, bevor er wieder auf der Wasseroberfläche landet. Er hat die Tricks der ganz Großen verinnerlicht: Double Loops (zweifache Vorwärtssalti), hohe Backloops (Rückwärtssalti) und den imposanten Pushloop into Forward (einen zu drei Vierteln ausgeführten Rückwärtssalto mit anschließendem Vorwärtssalto). Manche zeigt er bereits höher und sauberer als die restlichen Windsurfer auf der Tour. Bloß sieht es bei Köster aus, als spiele er mit Brett, Segel, Wellen und Wind. Das Außergewöhnlichste an seiner Geschichte: Es geht hier nicht um einen Mann von dreißig Jahren.
Philip ist im März sechzehn geworden. Im November will er Weltmeister sein.
Der Playa de Vargas liegt etwas versteckt im Osten Gran Canarias nahe der Autovía von Las Palmas nach Puerto Rico. Hinter Montaña Vélez einmal links abbiegen, über die schmale Asphaltstraße Richtung Wasser, vorbei an der letzten Siedlung, die den schönen Namen „Eden“ trägt. Nach 300 Metern taucht der Atlantik weiß schimmernd am Horizont auf, die Straße endet, und man befindet sich … am Mond.
Den ganzen Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des Red Bulletin.
Kommentare
Einen Kommentar hinzufügen