Thomalla

Philipp Koller aka Thomalla war als deutscher Teilnehmer zwei Wochen bei der Red Bull Music Academy in Madrid. Hier sein Blog über einen Tag im Musikparadies mit viel Musik und wenig Schlaf.

Ein morgendlicher Anruf von Nano (dem liebenswürdigen Betreuer), der einen in die Hotellobby zwecks Abfahrt zitiert. Also Beeilung. Optional ist noch eine 30-Sekunden-Dusche ohne Abtrocknen drin. Im Erdgeschoss angekommen blickt man in Gesichter, die eine krude Mischung aus Heiterkeit und Zerstörung ausstrahlen, auf jeden Fall aber die maximal 4 Stunden Schlaf durchblicken lassen.
Es gibt aber auch einfach zu viel zu erleben, als dass Schlaf einen davon abhalten könnte.

Darauf folgt eine 20-minütige Busfahrt zum Matadero, auf der man ein paar kurze Eindrücke vom überaus schönen Madrid einfangen kann. Ziel ist das Gelände des Matadero.
Von dessen ehemaliger Funktion als Schlachthof ist nichts mehr zu spüren. Nave 16, unsere Zentrale für 2 Wochen, wurde in ein Musikdorf verwandelt. Mitsamt zwei Dorfplätzen, einer Bühne mit Funktion One PA, sowie einem großen und neun kleinen Studios in Holzhütten. Aufgrund des Schaffenseifers der Teilnehmer wird zwischenzeitlich auch Studio 10A und 10B unter freiem Himmel eröffnet. Zwischen den herumstehenden Liegestühlen aus Neonschlüsselbändern findet sich sogar das eine oder andere Kunstwerk. Beispielsweise ein Tisch mit zwei betongefüllten Megafonen, der gelegentlich auch als Sitzgelegenheit und Abstellfläche genutzt wird. Ich hoffe, dass diese Art der Benutzung vom Künstler mitgedacht wurde.

Vor der ersten Lecture wird sich schnell und reichlich am Frühstücksbüffet gelabt, um das Gehirn auf eine Menge Input vorzubereiten. Von Addison Groove bis Tom Zé ist jede einzelne Lecture beeindruckend. Besonders erinnerungswürdig: Das von Paul RIser instruierte Streichquartett und Arturo Lanz's prägnante Wortwahl.

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Zwischendurch nochmal Essen und nebenbei am gestern in geistiger Umnachtung skizzierten Stück schrauben. Und dann ab ins Studio (hier im Bild mit Martin Riegelnegg aus Wien) damit und auf Monitorboxen gegenchecken. Aus jeder der kleinen Holzhütten plockert, kreischt und bounct es, sodass man geradezu dazu gezwungen wird, den Kopf durch die Tür zu schieben und sich das mal näher anzuhören. Nicht selten beteiligt man sich dann einfach gleich und vergisst dabei die Zeit.
Denn plötzlich ist Beeilung angesagt, um noch was vom umfangreichen Abendprogramm mitzunehmen. Zum Beispiel die Show von Alva Noto und Byetone im Palacio de Cibeles, dem Rathaus Madrids. Den gear-gefüllten Rucksack mit Hilfe von Hand- und Fußzeichen durch die Sicherheitsschleuse schleusen und dann im Herzen des Gebäudes mit 200 anderen Leuten einem gediegenen Frequenzfeuerwerk beisitzen. So muss das sein. Laut und gut!

Danach steht die Überlegung im Raum, zurück ins Matadero zu fahren und einfach noch mehr Musik zu machen. Warum denn auch nicht? Dazu sind wir ja hier. Taxis fahren später immer noch. Schlaf ist eh überbewertet!

     
 


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