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Eigentlich sollte alles vorbei sein. „Over and Out“. Die Aufnahme vom Abschiedskonzert, sollte das „endgültige End-Ende“ der Hip-Hopper von Kinderzimmmer Productions sein. Dann kam das Angebot, das MC Textor nicht ausschlagen konnte: ein Konzert mit einem ganzen Sinfonieorchester. ZEITjUNG hat er erzählt, wie man ein Orchester dazu bringt, tight zu spielen, wann es neues Material von ihm gibt – und er hat die Fragen aller Fragen geklärt.


Warum sollte eine Hip-Hop-Crew mit einem Sinfonieorchster zusammenarbeiten?
Warum sollten sie es nicht tun? Die Grundregel, wie wir Hip Hop gelernt haben, ist, dass im Prinzip alles geht und dass das, was unwahrscheinlich ist, gemacht werden sollte. Das betraf Samples, das betraf aber auch alles andere. Hip Hop ist eigentlich eingeschrieben, alles zu versuchen.

Deckt sich das mit dem, was ihr im Abschiedsstatement von Kinderzimmer Productions geschrieben habt: "Wir haben immer gehofft, dass Hip Hop sich zu einer kompletten Kultur entwickeln würde. […] Eine Kultur schließt alle Formen und Spielarten und Altersgruppen mit ein". Ist das weitere Kinderzimmer-Arbeit gegen die Idee, dass es nicht so sein sollte?
Es besteht natürlich die Gefahr, dass man in ausgetretene Schablonen reinfällt. Soll heißen, Klassik gleich erwachsen und besser und ausgetüftelter. Es gibt so einen stereotypen Prozess des Erwachsenwerdens, was man angeblich so alles zu machen hat. Es ist natürlich gefährlich mit so etwas rumzumachen, aber das Musikalische ist im letzten Augenblick dann doch wichtiger. So eine Gelegenheit ergibt sich nicht oft.

Ihr hattet nur zwei Proben. Was war denn das schwierigste in der Vorbereitung?
Es ist extrem viel Vorbereitungszeit gewesen. Allein das Schreiben: Die Partitur ist ein Buch mit knapp hundert Seiten. Da ist jeder einzelne Ton gelistet. Was dann erst beim Proben klar werden konnte, war aber: Man setzt sich hin und hört sich die gesampelten Sounds an und überlegt, wie man die erreich könnte. Dann nimmt eine Oboe da und ein Fagott hier, aber man weiß letztenendes nicht, wie laut die dann wirklich sind. Manchmal haben Sachen fantastisch hingehauen, manchmal war es einfach weg. Die zweite große Schwierigkeit war, dass die rhythmischen Sachen, die wir vorgeliefert haben, sehr streng waren. Ein Orchester ist normalerweise organischer, die können ein bisschen untighter agieren, könnte man jetzt fieserweise sagen. Aber die Hip-Hop-Idee von Timing ist für ein Orchester ziemlich neu.

Hatten die Orchestermusiker denn einen Zugang zu Hip Hop?
Das ganze Ding hat altersmäßig einen Querschnitt von 20 bis 60. Die Jüngeren hatten natürlich einen stärkeren Bezug dazu, als die Älteren. Die verstehen sich aber einfach auch als professioneller Klangkörper. Da ist es auch Teil der Berufsehre, egal, was da kommt, so gut wie möglich abzubilden. Die entwickeln da richtig sportlichen Ehrgeiz – und aus dieser Mischung aus sportlichem Ehrgeiz und Liebe zur Sache ergab sich dann auch eine gute Arbeitsstimmung.


Das ganze Interview von Textor mit ZEITjUNG kannst du hier lesen.




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