Die Domplatte

Die vergangenen Tage stellten das wohl wichtigste Wochenende in der Kölner Skateboardhistorie dar. Erstens hieß es in aller Form mit einer Closing Session von der Domplatte Abschied zu nehmen, zweitens durfte die Eröffnung des neuen Skateplazas „Kap 686“ gefeiert werden.

Neben der feierlichen Eröffnung des neuen Skateplazas „Kap 686“, welche eine neue Ära für die Kölner Skater einleitete, wurde eine etwas weniger frohe, wenn nicht sogar traurige Tatsache am Freitagabend gefeiert. Als Konsequenz für das jahrelange Ringen mit den Anliegern der Domplatte und im Tausch gegen den Skateplaza, wird das Skaten auf der Domplatte in Zukunft verboten sein.

Daher galt es der legendären Domplatte mit einer letzten Session am „Posse-Curb“, die letzte Ehre zu erweisen. Die Domplatte ist seit Jahrzehnten das Herz der Kölner Skateszene und das „Posse-Curb“ das Filetstück unter allen Spots rund um den Dom. Das „Posse-Curb“ war mehr als ein Curb, es war der Magnet für viele hundert Skater aus der ganzen Region. Der Dom Skateboarding e.V., dessen Mitglieder den neuen Skateplaza in jahrelanger Arbeit erkämpft, designt und umgesetzt haben, ließ zusammen mit Red Bull und mit professioneller Hilfe von Schützi (IOU-Ramps), einen Traum für die Kölner Skater wahr werden. Das geskatestoppte und somit unfahrbare Curb wurde für vier Stunden wieder fahrbar gemacht.

Das Curb wurde mit einer Ummantelung aus Granit belegt, wodurch es in den jungfräulichen Zustand von vor über 20 Jahren, zurückversetzt wurde. Trotz der Tatsache, dass Sport, ganz besonders Skaten, auf der Domplatte seitens der Stadt ungern gesehen wird, gelang es Red Bull, gemeinsam mit dem Verein, die Erlaubnis für die Wiederbelebung des „Posse-Curbs“ einzuholen.

Am Freitag um 16.30 Uhr rollte Schützis Transporter langsam auf die Domplatte. Die Skater, die sich schon seit drei Uhr rund um den Dom tummelten, bildeten mit einem Leuchten in den Augen, fast ehrfürchtig eine kleine Gasse, um den Meister an seine Arbeit zu lassen. Es dauerte nur unfassbar kurze zehn Minuten und ein paar starke Hände, bis die schwere Granitummantelung auf dem Curb lag. Nach ein paar kurzen, aber schon emotionalen Eröffnungsworten ging es los: Der Traum wurde wahr. Der Vibe, das Gefühl das „Posse-Curb“ zu skaten, war erneut, wenn auch nur für wenige Stunden, zum Leben erwacht.

Die Szenerie glich derer Tage, bevor die Stadt vor rund drei Jahren die Domcurbs so einfräsen ließ, dass das Skaten an ihnen kaum noch möglich war. Ungefähr 300 Skater, nicht nur aus der Region Köln, sondern Skater aus vielen Teilen Europas, waren gekommen, um diesen legendären Moment mitzuerleben. So tauchten national bekannte Gesichter wie Fabi Lang aus München, Patrik Eling aus Hamburg und gleich das gesamte Team von TX Sports aus Nürnberg, aber auch internationale Skategrößen wie Lem Villemin, Philipp Schuster, Axel Cruysberghs, Madars Apse, sowie der Finalist des ersten Battle at the Berrics, Benny Fairfax, am Dom auf und skateten, gemeinsam mit den Locals, das „Posse Curb“ in Grund und Boden.

Viele gute, vielleicht sogar sehr gute Sessions hat das „Posse-Curb“ in seiner Dienstzeit erlebt, wobei die letzte Session sicher eine der besten war. Alle Skater waren höchst motiviert und wollten die letzte Chance ergreifen noch einmal dieses unbeschreibliche Gefühl zu haben, welches das Skaten am Dom zu dem machte, was es früher war.

Unter dem absoluten Trickgewitter, welches die Skater abfeuerten, stachen zwei ganz besonders heraus. Red Bull Athlet Phillip Schuster aus Wien und der langjährige Domplatten Local Michi Niermann fuhren das Curb, als wenn es kein Morgen geben würde. FS 5-0 to SW Crooks Halfcabflip out von Philipp und FS Tailslide Bigspinheelflip Out von Michi waren wohl die absoluten Highlights des Tages.

Die letzte Session am Dom war ein riesen Geschenk für die Skater, was man nicht nur an der Intensität merkte, mit der sie das „Posse-Curb“ rippten, sondern besonders an der Stimmung, welche an legendäre Sommerabendsessions vergangener Tage erinnerte. Mit der Gewissheit den Dom so verabschiedet zu haben wie er es verdient hat und dem tollen Angebot von Red Bull, die Curbummantelungen den Kölner Skatern zu schenken und damit in der Stadt zu behalten, wurde am nächsten Tag ein weiteres Stück Skategeschichte geschrieben.

Mit der Gewissheit den Dom so verabschiedet zu haben wie er es verdient hat, galt es nun das „Kap 686“ zu eröffnen, und somit eine neue Skate Ära in Köln einzuleiten. Wie bereits die Verabschiedung der Domplatte, so war auch die Eröffnung des Skateplazas mehr als gut besucht. Hunderte Skater aus der ganzen Region, aber auch die internationalen Stars des Vortages, erschienen pünktlich zur Eröffnung und feierten das neue Skateboard Mekka der Domstadt.

Nach einem kurzen Eröffnungsgespräch zwischen Vertretern der Stadt und des Vereins, stürmten die Skater den Plaza und lieferten sich eine Session, welche man sich hätte kaum besser vorstellen können. Dabei wurden nicht nur viele gute Tricks gemacht, sondern was noch viel wichtiger war, jeder Skater hatte ein Lächeln im Gesicht, weil er nun endlich den Plaza skaten konnte, von dem er so lange Zeit nur hatte träumen dürfen. Leider störte ein starker Platzregen die große Party, so dass einige der Skater sich bereits früher als geplant auf den Heimweg machten.

Die harten Kerle, denen das Wetter wenig ausmachte, verbrachten die Zeit nach dem Regen mit ein paar leckeren Würstchen, einer Fassbrause oder einem kühlen Red Bull. Nach einer knappen Stunde war der Plaza wieder trocken, und die Skater setzten die Session bis in die Dunkelheit fort. Zusammenfassend ist zu sagen, dass beide Events, die Eröffnung sowie die Verabschiedung, große Erfolge waren und sich die Skater sicher noch ganz lange mit Freude daran zurück erinnern werden.
 

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