Guidos Shape Camp 2009

Guido Tschugg spielt gerne mit seinem Bagger, hat einen Eisspeedway-Champ als Vater und ist so ganz nebenbei der beste Mountainbike-Fourcrosser Deutschlands.

Das Klacken gehört zu seinem Leben, doch Guido Tschugg hört es nicht mehr. Wenn das Startgatter metallisch krachend nach unten fällt, sind alle Störgeräusche und Ängste ausgeblendet. Dann ist der Blick auf die Idealspur verengt und jede Muskelfaser auf Anschlag gespannt. Wenn es sein muss, übt Deutschlands bester Fourcrosser hunderte Male am Tag den Moment, an dem das Startgatter dem Vorderrad den Weg frei macht. Bruchteile von Sekunden sind das. Doch die sind entscheidend in der Mountainbike-Disziplin, die keine Fehler verzeiht - in der vier Fahrer in Schikanen, engen Steilwandkurven und zwischendurch mit viel Luft unter den Reifen um die Positionen rangeln. Bei den Überhohlmanöver fast immer Körperkontakt bedeuten und ein verpatzter Lauf das Aus. Guido Tschugg macht weniger Fehler als andere. Und das ist kein Zufall.

Der Racer. Guido Tschugg aus dem idyllischen Örtchen Amerang im Chiemgau ist Deutschlands erfolgreichster Fourcrosser. Sechsfacher Deutscher Meister, 2004 Sieger beim Worldcup in Fort William, Dritter bei der Europameisterschaft 2006 und Zweitplatzierter beim Worldcup in Schladming 2007 und 2008. Wo Tschugg antritt, spritzt er am Ende des Tages meist mit Sekt vom Podium. Dabei guckt er auch gerne über die Steilwandkurven der Fourcross-Szene hinaus. Bei der legendären Red Bull Rampage, bei der die weltbesten Freerider ihren Weg durch halsbrecherisches Gelände suchen müssen, bekam Tschugg 2004 und 2008 eine der begehrten Einladungen. „Ich sehe mich schon als Racer, probiere aber auch gerne andere Sachen aus", erklärt er.

null (c) Red Bull Photofiles / Ronny Kiaulehn

Guido Tschugg kam am 14. Mai 1976 auf die Welt. Vater Max war in den Siebzigern der lokale Champion beim Eis-Speedway. Also drehte Guido mit vier Jahren auch am Gasgriff einer Motocross-Maschine. Aus Kostengründen wechselte er später in die BMX-Szene. Sein Lieblingsbuch aus der Zeit steht heute noch im Regal: „Mehr Spaß mit BMX" heißt der Schinken von 1983. Den Kernsatz des Vorworts lebt Guido bis zur Perfektion aus: „Solltest Du mal einen Trick versuchen, bei dem Du ständig wie eine 10-Tonnen-Bombe einschlägst, denke noch mal drüber nach."

Tschugg macht genau das. Er denkt ständig darüber nach, wie er sich und sein Material noch besser für die Rennen optimieren kann. Er hat sich zwei originale Startgatter gekauft, um den Antritt zu trainieren.

Der Baumeister. Guido besitzt sogar einen Bagger, mit dem er sein Trainingsgelände modelliert, das sich in Form eines eigenen kleinen Bikeparks unter der Autobahnbrücke Wangen-West befindet. Bei seiner jährlich stattfindenden X-Mas Jam lädt er sich genau dorthin Freunde und auch den MTB-Nachwuchs für eine gemeinsame Jam ein. Sein Know-how über Trackdesign gibt er auch gerne an die Youngsters weiter. Bei Guido´s Shape Camp kommt er mit seinem Bagger zu den Kids und zeigt dem Mountainbike-Nachwuchs das "1x1" des Dirthügel-Shapens und gibt sicherlich auch sonst noch gute Tipps aus seiner langjährigen Mountainbike-Karriere.


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