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Red Bulletin: Pssst, geheim!

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Welche Gigs Pflicht sind für die Superstars. Der Insider-Fahrplan zu den heißesten Festivals.

13.07. Pitchfork, Chicago, USA

Die Musik der Dirty ­Projectors ist nicht zu fassen, im wörtlichsten Sinn. Im Sekundentakt hantelt sich das Sextett aus Brooklyn von einem Stil zum anderen, von einem Tempowechsel zum nächsten. Komplexe Streicherarrangements, westafrikanische Melodien, Folkgitarren, Lärmwände und ausgeklügelter Falsettgesang – irgendwie kriegen die Dirty Projectors all diese Elemente in nur einen Song, ohne dass dieser am Ende überladen oder verkopft klingt. So elegant und experimentierfreudig wie David ­Byrne mit seinen Talking Heads in jungen Jahren: Kein Wunder, ist doch der Musik­geschmack von Band-Oberhaupt Dave Longstreth breit gefächert. Auch in Sachen klassischer Musik ist er ein Connaisseur. Strawinsky etwa verehrt der 30-jährige Musiker wegen der gleichzeitigen Präsenz von Rohheit und absoluter Modernität. Ein ­Prädikat, das auch auf seine eigene Band zutrifft. Nachzuhören am Album „Bitte Orca“, vom „Time“-Magazin zur zweitbesten Platte des Jahres 2009 gewählt, oder am pressfrischen Werk „Swing Lo Magellan“.

Headliner: Feist, Vampire Weekend, A$AP Rocky, Flying Lotus, Grimes

www.pitchfork.com/festivals/chicago/2012

 

14.07. Melt!, Ferropolis, Deutschland

Aaron Pfenning und ­Caroline Polachek ­begegneten sich 2005 an der Universität in Colorado. Ihr gemeinsames Interesse: Horrorfilm-Soundtracks – und das Vorhaben, selbst Musik für Spukhäuser zu machen. Nach dem Studium zogen die beiden­ ins New Yorker Künstlerviertel Williamsburg, wo man sie ­wegen ihrer zwielichtigen, verträumten Songs sofort ins Herz schloss. Apple verwen­dete ihren Song „Bruises“ für die iPod-Werbung, 2009 war das Duo für einen MTV Video ­Music Award nominiert. Der Sound wurzelt in der düsteren Ecke der achtziger Jahre, dort, wo die schwarzen Ledermäntel von Bands wie The Jesus and Mary Chain und New ­Order hängen. Zugleich wohnt der Musik von Chairlift eine kühle Melancholie inne, so als hätten Synthesizer Liebeskummer. Mit ihrem neuen ­Album „Something“ tourt die derzeit zum Trio vergrößerte Band gerade um die Welt – und verwandelt jede Bühne in eine romantische Geisterbahn.

Headliner: Gossip, Justice, Bloc Party, M83, Lana Del Rey, Richie Hawtin

www.meltfestival.de

 

16.08. Frequency St. Pölten Österreich

Das Tonstudio von ­Sebastian Szary und Gernot Bronsert ist ein Labor. Ein Versuchsort, an dem die zwei Berliner seit fünfzehn Jahren elektronische Spielrichtungen vermengen, von denen man dachte, sie würden nicht zusammenpassen. Polternde Rave-Drums, digitaler Dancehall, wabernde Dubstep-Bässe, schizophrener Pop – eine geniale Mixtur, für die Modeselektor schon lange Anwärter auf den Chemie-Nobelpreis sein sollten. Elektronikpartikel reiben sich aneinander und erzeugen zischende, synthetische Laute, erhabene Soundwolken brauen sich über der zerfurchten Beat-Landschaft zu elegischen Melodien zusammen. Ihr aktuelles Album „Monkeytown“ klingt wie der Soundtrack ­eines Science-­Fiction-Films, bei dem David Lynch Regie ­geführt hat. ­Obwohl man selbst im Centre Pompidou in Paris auf ihre Sound-Instal­lationen stößt, sind Mode­selektor keine überintellektuellen Hornbrillenträger: Das beweisen ihre schweißtreibenden Live-Shows. Mit aufblasbaren Riesenaffen, Sektduschen, Blitzlichtgewittern und Beats, gewaltiger als King Kong.

Headliner: The Killers, Placebo, The Cure, The Black Keys, The xx, Lykke Li, Maximo Park

www.frequency.at

Mehr Festivals gibts in der Juli-Ausgabe des Red Bulletin.

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