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Red Bulletin: Gas geben, bis der Doktor kommt!

1301_ATDECH_Marko ©Maria Ziegelböck / The Red Bulletin

Eine wunderbare Seilschaft im Gipfelteam: Sebastian Vettel und Helmut Marko. Offiziell als „Red Bull Motorsportdirektor“ betitelt reicht das nicht wirklich für eine Job-Description. Marko ist Berater, Analyst, Strippenzieher, Mediator, eine unange­fochtene Autorität sowohl im Teambetrieb als auch in einer übergeordneten Schlauheit, die Theorie und Praxis des Rennsports erstaunlich oft auf den Punkt bringt.

So schreibt sich die Story des großen Triumphs in feinen Nuancen, die über ein Jahrzehnt hinweg immer mehr Kontur gewannen bis zu einer wesentlichen Kraftlinie des Weltmeisterteams: Sebastian (25) und „der Doktor“ (69).
Red Bull Racing-Motorsportdirektor Dr. Helmut Marko kommt aus der Pulverdampfzeit des Jochen Rindt, sogar aus der gleichen Stadt, Graz, und wesentliche Duelle wurden noch mit elterlichen Fahrzeugen auf öffentlichen Straßen ausgetragen. Ein vom Vordermann aufgewirbelter Stein beendete beim Grand Prix von Frankreich 1972 die Formel-1-Karriere Markos. Es begann eine neue Laufbahn mit vielfältigen Talenten. Eines davon ­betraf seinen Zugang zum Rennsport aus einer gesamtheitlichen Sicht, die ihm alle denkbaren Facetten zwischen Taktik und Strategie offenlegte. Darüber lässt sich ganz gut reden.

The Red Bulletin: Warum ist eigentlich der „Doktor“ zu einem Bestandteil Ihres Namens geworden? Das ist ja in dieser Branche völlig ungewöhnlich. Da kommt der Doktor nur als Rennarzt vor, nicht als Jurist oder Techniker. Hat das damit zu tun, dass Sie schon früh die Respektperson haben raushängen lassen?
Helmut Marko: Noch während meiner Rennfahrerkarriere hatte ich das Jus-­Studium abgeschlossen. Das war schon eher ungewöhnlich, und ich glaube, es hat den Medien gefallen, einen „Doktor Marko“ im Starterfeld hervorzuheben. Es gab ja nicht so viele Doktoren unter den Le-Mans- oder Formel-1-Fahrern. Danach ist mir das als eine Art Kürzel oder Vor­namen-Ersatz geblieben, jeder im Umfeld kennt den „Doktor“ und meint nicht die medizinische Betreuung.

Sie haben den Ruf, von moderner Kunst genauso viel zu verstehen wie von den tieferen Geheimnissen des Rennsports, gelten aber als sehr kühl, distanziert. Stört Sie das?
Wer harmoniesüchtig ist, kann in der ­Formel 1 nicht erfolgreich sein.

Es widerspricht ja kaum jemand, wenn man Sie als „Ziehvater“ im Sportleben des Sebastian Vettel bezeichnet, über nunmehr gut zehn Jahre hinweg. Das begann, als er noch ein Junge mit Zahnspange war. Wie hat er dann die Nestwärme gekriegt, die ein junger Mensch in seiner Entwicklung braucht?
Bei seinen Eltern ist es ihm sicher gut­gegangen. Junge Menschen mit einem Hang zur Nestwärme bleiben möglichst lang in ihrer hoffentlich geschützten Zone. Andere stecken früh ihre Nase in den ­Gegenwind. Sie sind nicht angewiesen auf Streicheleinheiten. Denen reicht es, wenn man ihre Leistung anerkennt – auch schon mit fünfzehn, sechzehn. Hier künstlich eine Atmosphäre der Kuscheligkeit zu schaffen würde an der Formel 1 vorbeiführen.

Wann durfte Vettel Sie zum ersten Mal duzen?
Keine Ahnung, wirklich. Irgendwann ­ergibt es sich, ohne großes Trara.

Wie hat sich euer Verhältnis dann zu dieser offensichtlich sehr tragfähigen Partnerschaft entwickelt?
Wir sind erst einmal Geschäftspartner auf einer sehr klaren, offenen, ehrlichen Ebene. Wenn er Probleme hat, kommt er mit denen unmittelbar zu mir – und umgekehrt, wenn ich Anliegen habe. Das funktioniert auf sehr professionelle Art. Darüber hinaus kommt man sich natürlich auch menschlich näher, keine Frage.

Könnt ihr auch so richtig miteinander Schmäh führen?
Da läuft schon einiges, aber ich rede nicht drüber. Charakteristisch für Sebas­tian ist ja, dass der Rennfahrer Vettel für die Öffentlichkeit da ist – sein Privatleben will er aber privat halten. Was auch verständlich ist. Es hat aber auch damit zu tun, dass er so unglaublich fokussiert ist auf seinen Job, dafür braucht er einfach die nötige Ruhe und die Zeit. Da muss er sich absondern, dann kann er etwas ab­rufen, was kein anderer Fahrer hat – im Qualifying oder im Rennen. Über die Vorbereitung bin ich ganz gut informiert, da bleiben ihm dann viele Freiheiten, dass er sich persönlich alles so einteilen kann, wie es ihm das Optimum an Performance bringt.

Lesen Sie die ganze Geschichte in der Januar-Ausgabe des Red Bulletin.

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