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Red Bulletin: Flying Frenchman

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Bisher gab es erst wenige Situationen, in denen Richard Permin nein zu einer Abfahrt gesagt hat.

Eine erlebte er 3000 Meter über dem Städtchen Haines im Südosten Alaskas. Der Wind der ­Rotorblätter des Helikopters, der ihn auf die Spitze gebracht hatte, verteilte die makellosen Schnee­flocken. Ganz allein dort oben, betrachtete Permin in der Ferne den friedlichen Hafen im Lynn Canal, dem tiefsten Fjord Nordamerikas. Permin schloss die Augen, atmete tief durch und ging die Line, die vor ihm lag, gedanklich noch einmal durch. Er prüfte den Hang mit seinen fast 45 Grad (100 Prozent!) Gefälle und ließ mit folgenden Worten von der Sache ab: „Phil Meier ist genau an diesem Ort gestürzt, hat sich das Knie zerschmettert und musste mit zwanzig Stichen am Schienbein genäht werden – no chance.“ Der Schweizer wird sich sein Leben lang an diesen Sturz erinnern, Permin an seinen geordneten Rückzug.

Diese Geschichte spiegelt exemplarisch die Persönlichkeit des in Paris geborenen Freeriders wider. Permin räumt mit dem Vorurteil auf, Freerider seien Hasardeure. „Einmal habe ich mir drei Rippen auf einmal gebrochen, und beinahe wäre meine Lunge dadurch verletzt worden. Das hat mir echt verdammt Angst gemacht! Ich musste damals ins Krankenhaus und stand stundenlang unter Morphium-Einfluss, ­bevor sie mich haben gehen lassen. Für ein paar ­Wochen war ich dann völlig außer Gefecht.“

Name: Richard Permin, Geboren: 9. Mai 1985 in Paris, Beruf: Freeski-Profi

Insgesamt hatte Permin schon dreizehn Rippenbrüche: Das ist der Preis, den man zahlen muss. Denn Sicherheit ist entweder allgegenwärtig oder nicht vorhanden. Beim Freeriden gibt keinen Spielraum für Fehler. „Man befindet sich in ausgesetztem Gelände, das von Menschen nicht erschlossen ist. Da geht’s ordentlich zur Sache. Du steckst so richtig in der Sch…e! Wenn die Natur beschließt, ihr Spiel mit dir zu treiben, dann tut sie das. Bei der Auswahl deiner Line musst du deshalb immer einen ‚Notausgang‘ parat haben, vielleicht sogar zwei. In Alaska waren aber selbst die Notausgänge eine harte Nummer! Das war Chamonix hoch zehn!“

Wird die Angst nicht durch die Gefahr gebannt, ist sie ständiger Begleiter jedes Extremskifahrers, der dem Gefühl des Nervenkitzels erlegen ist. Das klingt seltsam, doch Permin weiß das: „Sobald du keine Angst mehr hast, machst du Fehler. Ist die Angst gegenwärtig, bleibst du konzentriert und fühlst dich wie in Trance. Du denkst an deine Line, weißt, wann du eine Kurve fährst.“ Permin hat zudem ein eigenes Rezept: In den letzten Sekunden vor dem Start wandelt er den Stress in eine Art unsichtbares Adrenalin um. Erst dann lässt er los und fühlt sich wie „der Beste unter den Besten“.

Richard Permin legt trotz seiner erst 26 Jahre eine erstaunliche Selbstsicherheit an den Tag, doch immerhin steht er bereits 23 Jahre auf Skiern. Mit seinen türkisblauen Augen, dem blond gesträhnten Haar und einer gewissen Leichtigkeit läuft er spielerisch durch die Welt. „Ich bin in Lyon aufgewachsen, und da hat es nicht lange gedauert, bis ich ‚rauf‘ in den Schnee wollte.“ Und Fußball? „Den mochte ich noch nie.“


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