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Red Bulletin: Die Wellenjäger

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Surfer, Meteorologen und ein ganzes Filmteam erforschen Stürme und Strömungen quer über die Ozeane. Ihr Ziel: das spektakulärste Big-Wave-Material der Welt zu filmen.

Über das Tasmanische Meer rast der Wind mit bis zu 280 Kilometern pro Stunde, die Wellen bäumen sich bis zu 20 Meter hoch auf. Nach den Messungen des Big-Wave-Meteorologen Ben Matson tobt da draußen gerade dieselbe Menge Energie wie jene, mit der der Hurrikan „Katrina“ 2005 gegen die Golfküste der USA krachte. „Das ist unser Swell“, sagt Matson – eine Dünung, deren enorme ­Power für Riesenwellen sorgen wird. Und das bedeutet grünes Licht für die Crew der Filmdokumentation „Storm Surfers“. Das Team wird vor der Südküste von New South Wales stationiert, etwa 930 Kilo­meter nördlich der Zyklonwinde und Riesenwellen.

Der Job von Ben Matson besteht aus zwei Teilen. Der einfachere ist es, extreme Surf-Bedingungen aufzuspüren. Der schwierigere: zu entscheiden, ob sie ­potentiell tödlich sind oder nicht.

„Vor Tasmanien“, erklärt er, „gibt es die größten Wellen, aber sie sind zu groß zum Surfen. Wir wären zwar bereit, haben Jet-Skis und alles, was man braucht, aber der Orkan macht es unmöglich loszulegen. Wir können nicht einfach dumm herumsitzen und nichts tun. Also gehen wir zu Plan B über.“

„Das ist wie eine Expedition ins Hochgebirge“, fährt der Meteorologe fort. „Wir haben unser Equipment mit Jet-Skis in Westaustralien, Tasmanien und New ­South Wales gelagert. An jedem Standort wartet eine Crew nur auf das Go. Ich bin ziemlich sicher, dass wir hier noch einen ziemlichen Swell kriegen werden.“ Sollte die erwartete Dünung doch nicht kommen, ist es Matsons Verantwortung: Bei den Arbeiten an „Storm Surfers 3D“, der jüngsten Dokumentation des Teams, ­verursachte jeder durch falsche Wetterprognosen verlorene Tag zusätzliche Kosten von 50.000 Dollar.

An der nahen Bootsrampe haben sich 21 Crew-Mitglieder versammelt und bereiten ganze Waggonladungen von Film- und Surf-Equipment auf den Einsatz vor. „Dieser Swell ist Ergebnis einer Wetter­lage, die sich vor ungefähr einer Woche abgezeichnet hat“, erzählt Matson. „Als in den Australischen Alpen Schnee zu fallen begann, habe ich mich mit der Prognose festgelegt. Es stimmt, es kommt jetzt so ziemlich allein auf mich an, das ist eine Menge Verantwortung. Das zehrt schon an den Nerven.“

Es ist 4.30 Uhr morgens, stockfinster und eiskalt. Die Crew der „Storm Surfers“ befindet sich am Strand des Murramarang-Naturreservats in South Durras, New South Wales. Während Matson an seinem Frühstückstisch die letzten Daten der Wellen auf seinem iPhone analysiert, unterhalten sich die Surfer-Legende Ross Clarke-Jones und der zweifache ASP-Surf-Weltmeister Tom Carroll. Die beiden sind mittlerweile 46 und 50 Jahre alt und haben größere Angst vor dem Ruhestand als davor, von einer Monsterwelle dahin­gerafft zu werden.

Clarke-Jones und Carroll sind seit 25 Jahren so eng miteinander befreundet, wie man nur befreundet sein kann. Sie haben sogar schon etwas von einem alten Ehepaar: Während sie an der Bootsrampe auf ihre Jet-Skis warten, streiten sie tatsächlich darüber, wessen Surfbretter wohl im Wagen Platz haben. Sollte jemals jemand auf die Idee kommen, eine Kreuzung von „Ein verrücktes Paar“ und „Tag der Entscheidung“ (1978; der Film handelt vom Heranwachsen dreier surfender Kalifornier; Anm.) zu drehen, wären diese Jungs die Idealbesetzung der Hauptrollen.

„Wir wissen, dass uns jeder für verrückt hält. Und wir gehen uns auch gegen­seitig auf den Wecker“, sagt Clarke-Jones mit diesem für ihn so typischen Grinsen. „Ich nerve ihn ständig wegen seines schlechten Fahrstils und so. Aber das ist einfach eine australische Freundschaft, wir meinen das nicht so ernst. Es gab ­natürlich auch Zeiten, in denen wir uns angeschrien haben, es sogar körperlich wurde. Aber so ist das Leben, Freunde machen das durch. Ich liebe ihn. Und wir haben ja auch eine Menge gemeinsam durchgemacht. Die Rivalität auf der Pro-Tour, allerhand Geschäftskram, Scheidungen, Jobs, Vater werden, das alles. Es ist cool, dass wir immer noch surfen und wie zwei kleine Kinder sind. Das macht Spaß, und ich denke, das ist es auch, was uns jung hält.“

Lesen Sie die ganze Geschichte in der September-Ausgabe des Red Bulletin.

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