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Red Bulletin: „Den Begriff 'Effizienz' mag ich nicht...“

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„Ich mag die Ruhe.“ Wenn deine Eltern Jane Birkin und Serge Gainsbourg heißen, kann es passieren, dass du lange brauchst, um zu erkennen, wer du bist. Charlotte Gainsbourg über das Aufwachen und den Mut zur Langsamkeit.

Charlotte Gainsbourg hat nur einen einzigen Wunsch für unser Interview: einen ruhigen Raum. An unserem Treffpunkt, einem Studio am östlichen Stadtrand von Paris, erscheint die Schauspielerin und Sänge­rin (oder umgekehrt) ungeschminkt. Ihr Lächeln gefriert, als unser Fotograf unbekümmert loslegt und Blitzlicht den Raum zerhackt. Erst nach und nach wird sie wieder ­lockerer. „Ich brauche immer ein wenig Zeit“, sagt sie leise.

Auch nach „L’effrontée“, mit dem sie 1986 als verheißungsvollste Nachwuchsschauspielerin den César, den Preis der französischen Filmindustrie, gewann, und „Stage Whisper“, ihrer jüngsten Platte, einem Doppelalbum mit Live-Versionen ihrer bekannten sowie Studioaufnahmen neuer Songs (und, in der Special-Edition, einer DVD mit Konzertmitschnitten ihrer­ 2010er-Tournee), hat sich Charlotte Gainsbourg das Verträumte in ihrem Blick bewahrt. Äußerlich unverkennbar, ist sie die Tochter der englischen Aktrice Jane Birkin und des französische Chansonniers Serge Gainsbourg. Aber auch für Knalleffekte ist sie gut, etwa für ihren Auftritt in Lars von Triers Film „Antichrist“, für den ihr 2009 bei den Filmfestspielen in Cannes der Preis der besten Darstel­lerin verliehen wurde.

Charlotte, vierzig Jahre alt, ist Mutter dreier Kinder, von denen das jüngste, der im Juli letzten Jahres geborene Joe, in unserem – wie bestellt, ruhigen – Zimmer einschläft, als das Interview beginnt.

Red Bulletin: Im Gegensatz zu ­Ihrem Halbbruder Lulu (Lucien Gainsbourg, geb. 1986; Anm.) haben Sie keine Lieder Ihres Vaters in Ihre Alben übernommen. Dabei singen Sie Serges Songs doch bei Konzerten.
Charlotte Gainsbourg: Sie erwähnen die Lieder meines Vaters, als ob es meine Pflicht wäre, sie zu übernehmen. Ich halte es für ganz normal, wenn ich nicht so vorgehe. Ich habe meinen eigenen künstlerischen Weg …

Sie pochen auf Ihre Eigenständigkeit und schirmen sich gleichzeitig ab, zeigen sich in Ihrer Eigenständigkeit also nicht …
Und ich habe kein Problem damit. Ich musste mich schützen, und ich muss es immer noch. Für mich ist wichtig, dass ich das tun kann, wovon ich träume, und ich hoffe, dass es so weitergeht.

Auf Ihrem Album gibt’s einen Song mit dem Titel IRM (Abkürzung von Imagerie par Résonance Magnétique/Magnet­resonanztomographie; Anm.). Wieso?
Der Titel steht in Zusammenhang mit ­einem Unfall, den ich hatte. Ich musste etliche „IRMs“ über mich ergehen lassen, und das sollte Teil des Albums werden. Damals war das mein Alltag. Das war ich. Die Geräusche, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hatten, sollten mit einfließen.

„Just Like a Woman“ ist die Cover­version eines Bob-Dylan-Songs, in dem Frauen ziemlich schlecht wegkommen.
Mir gefällt der Gedanke sehr gut, dass er von einer Frau gesungen wird. Diesen Song als Frau zu singen hat etwas Ab­surdes. Ich mag diese Diskrepanz.

Je schwieriger die Dinge sind, desto mehr fühlen Sie sich angezogen?
Ich versuche eher, mich selbst zu überraschen, nicht den einfachsten Weg zu gehen, denn das würde mich langweilen. Das soll nicht heißen, dass ich nach Hindernissen suche, das ist nicht mein Ding, und außerdem ist es sehr überheblich, so zu reden. Ein genialer Spagat ist zum ­Beispiel der vom Kino hin zur Bühne.

Sind Sie lieber Schauspielerin als Sängerin?
Ich möchte keinem den Vorzug geben. Beides macht mir sehr viel Freude.

Sie sind also vollauf zufrieden?
Das ist ja ein furchtbarer Gedanke! Glücklicherweise ist man nie zufrieden. Ich finde, dass ich jede Menge Fehler mache. Ich bin nicht zufrieden mit mir.

Lesen Sie das ganze Interview mit Charlotte Gainsbourg in der März-Ausgabe des Red Bulletin.

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