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Olympia-Siegerin und Schirmherrin des Red Bull Upsprings Nicola Thost über Vorbilder im Snowboard-Biz, wann man den Schritt zum Pro machen sollte und was ein Snowboarder braucht, um selbst eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen zu holen. Foto: (c) Patrick Elgert

Wie hast du deine 15 Rookies für das Red Bull Upsprings gefunden?
Die Teilnehmer habe ich aus den über 50 Teilnehmern meiner Nachwuchsförderung- Initiative Sprungbrett über 5 Stopps in Deutschland und Österreich ausgewählt. Bei Sprungbrett können sich alle talentierten Snowboardkids von 9- 16 Jahren anmelden und ein Snowboard-Tag mit verschiedenen Snowboard-Pros, Fotograf und Filmer verbringen. Die je 5 Kids aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit dem meisten Potential und dem passenden „Gesamtpaket“ haben eine Wildcard für die Red Bull Upsprings erhalten.
 
Im Snowboard-Contest-Zirkus werden die Rider immer jünger - in welchem Alter muss man sich heutzutage für eine professionelle Karriere entscheiden?
Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass heutzutage bis spätestens zum 16. Lebensjahr die Weichen gestellt sind. Das ist wohl weniger eine bewusste Entscheidung, sondern vielmehr die Tatsache wie gut man bis dahin als Snowboarder und Persönlichkeit Chancen genutzt hat, sich zu entwickeln.
 
Wie alt warst du, als dir klar wurde, dass du Profi-Snowboarderin bist?
Profi heißt ja eigentlich, dass man mit dem was man tut seinen Lebensunterhalt verdient. In meiner Generation ging das viel später los. Ich habe mit 14 erst das Snowboarden begonnen, mit 16 Jahren die Junioren WM gewonnen, meinen ersten Teamrider Vertrag unterschrieben und die ISF-Protour mitgefahren. Nach meinem Abitur war der Deal mit meinen Eltern: 1 Jahr Snowboard Profi Leben ausprobieren und schauen, was passiert. Dann kam die Olympiaqualifikation und mit 21 gewann ich die Goldmedaille in Nagano. Da war eindeutig klar, dass ich wohl nun Snowboardprofi werde, bin und bleibe – solange, wie es mir Spaß macht.
 
Wie wichtig sind Vorbilder beim Snowboarden?
Menschen, die einen inspirieren sind im Leben immer wichtig. Ein Vorbild lebt vielleicht eigene Träume vor und kann einen bestärken, was alles möglich ist. Gleichzeitig ist jeder Mensch einzigartig und hat verschiedene Voraussetzungen. Man sollte die Vorbilder nicht kopieren, sondern eigene Stärken kennenlernen, die Schwächen respektieren und seinen persönlichen Weg finden. Dafür bietet das Snowboarden optimale Voraussetzungen mit all seinen Facetten.
 
Wer mit dem Nachwuchs arbeitet muss sich ja mit der Zukunft beschäftigen. Wohin geht der Trend beim Snowboarden?
Ich erlebe mit den jungen talentierten Kids, dass sie bereits im Alter von 10 - 13Jahren auf Grund ihrer unglaublichen Begeisterung fürs Snowboarden und ihrem Können zugleich mit einer Erwachsenenwelt konfrontiert werden, die einfach überfordert. Die Konsequenz ist, dass es viele Rising Stars gibt, die schnell auch wieder von der Bildfläche verschwinden. Ich wünsche mir mehr Fokus auf eine gesunde Basis und mehr Nachhaltigkeit im Snowboarden – nicht nur was Natur und Produktion angeht, sondern das Wichtigste an sich – unsere Kinder.
 
Du hast deine Karriere wegen Verletzungen beenden müssen, nachdem du dir 3 Mal das Kreuzband gerissen hast. Was sagst du den Kids über die Gefahren bzw. die Belastungen des Sports?
Das Thema Gesundheit hat natürlich auf Grund meiner Erfahrungen einen besonderen Stellenwert. Aufwärmen, schrittweises Lernen vom leichtem zum Schweren, von kleinen zu großen Kickern, aber auch Sicherheitsvorkehrungen wie Protektoren und Tipps, wie man sich in unbekannten Parks und Terrains verhält, sind ein Teil davon. Mit Sprungbrett habe ich eine Plattform, bei der ich nicht nur schulähnliche Theorien vermittle, sondern wir einen Tag verbringen, wie Snowboardprofis ihn selbst angehen würden. Unterstützt werde ich dabei von Pros auf verschiedenstem Level, die ihre eigenen Erfahrungen mit einbringen. Von spielerischem Lernen und eigenem ausprobieren können, in einer kindgerechten Atmosphäre können sie Kids am meisten profitieren.
 
Beim Red Bull Upsprings erhalten die Kids auch Mediencoaching - worauf müssen Nachwuchs-Boarder im Umgang mit Medien besonders aufpassen?
Wir wollen den Kids vor allem die Chancen und Möglichkeiten aufzeigen, die sich gerade durch Social Media Plattformen in den letzten Jahren aufgetan haben. Dazu gehört auch, dass sie lernen wie sie gutes Foto und Filmmaterial von sich bekommen können, was hilfreich ist online zu verbreiten und welche Inhalte eher hinderlich sind oder gar schaden kann für ihre zukünftige Karriere, auch wenn sie noch so gute Snowboarder sind.
 
Wenn du den talentiertesten Snowboarder aller Zeiten entdeckst: Würdest du ihm/ihr erlauben, die Ausbildung zu vernachlässigen, um eine Pro-Karriere zu machen?
Nein. Die Ausbildung ist Basis, die dazugehört, egal wie lange man vom Profi-Snowboarden leben kann. Der Beruf Snowboardprofi birgt viele Risiken, die man zum Teil nicht selbst beeinflussen kann. Es ist ein Business geworden, wo Erfolg auch nicht mehr allein vom Können am Berg abhängt. Zudem setzt man sich eventuell unnötigem Druck aus, weil eine alternativen Perspektiven für die Zukunft fehlt.
 
Was muss man alles mitbringen, um so wie du Olympia-SiegerIn im Snowboarden zu werden?
Das kann man nicht pauschal sagen. Aber Snowboarder sein mit Herz und Seele, Bereitschaft sich zu engagieren, nicht aufzugeben bei Rückschlägen, Disziplin, Leidensfähigkeit, Verzicht und den festen Glauben daran, dass man das Richtige tut, auch wenn der Erfolg Umwege geht - das sind alles Komponenten, die meine Karriere begleitet haben.
 
Welche Freestyle-Tricks beeindrucken dich im Moment am meisten?
Mich beeindrucken die unglaublichen Dimensionen im Allgemeinen: Airtime und die Komplexität der Tricks, die dadurch möglich geworden sind. Hey, 1440 Triple Corks sind Akrobatik auf höchstem Niveau und ich habe höchsten Respekt davor, aber es macht mir zugleich Angst, wenn ich sehe, wie selbstverständlich irreparable Verletzungen Teil des Snowboardens geworden sind.
 
Welchen Snowboarder schätzt du derzeit am stärksten ein?
Es gibt einige, die auf absolutem Winner-Level snowboarden können, die den Sport pushen und in ihrem Spezialbereich weiterbringen. Am stärksten sind die, die ihre eigenen Grenzen kennen und dem Druck und der eigenen Erwartungshaltung über mehr als 1 Saison standhalten können. Terje konnte das, Shaun konnte das und jede Saison gibt es 3-4 Neue, die das Zeug dazu haben. Für mich ist Travis Rice einer der kompletten Fahrer schlecht hin – wenn ich ihn beim „Spielen im Schnee“ sehe, macht sogar mir „nur“ Zuschauen Spaß.
 
Mit deinem Projekt Sprungbrett engagierst du dich das ganze Jahr über für den Nachwuchs. Woher kommt die Leidenschaft und Motivation dafür?
Die Motivation für mein Engagement ist, dass ich die Kids dabei unterstützen und begleiten kann, ihre Träume zu verwirklichen! Meine Leidenschaft ist das Snowboarden und Sprungbrett mein Herzensprojekt.

www.facebook.com/sprungbrett

nicolathost.com

 
 

 


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