Roswell 2.jpg (c) Christian Pondella/Red Bull Content Pool

Felix Baumgartner wird nach seinem Weltrekordsprung aus dem All auf historischem Boden landen: in Roswell, New Mexico (USA). Hier ist ein UFO abgestürzt. Hier hat der berüchtigte Billy the Kid sein Unwesen getrieben. Und hier wurde die erste Atombombe gezündet. Das Red Bulletin hat sich in der Host City von Red Bull Stratos umgesehen.


65 Jahre nach dem angeblichen UFO-Absturz, durch den die fünftgrößte Stadt New Mexicos bis heute berühmt ist, steht Roswell dank Red Bull Stratos erneut im Fokus der Weltöffentlichkeit. Derzeit wird aber noch hauptsächlich das UFO-Thema durchdekliniert, und zwar auf breiter Front. Ein schnelles Mitzählen bei der Fahrt durch die Main Street ergibt 57 Außerirdische, beim nächsten Mal sind es sicher um drei, vier mehr. Alles, aber wirklich alles wird hier mit kleinen grünen Männchen beworben.

Das alles, weil William „Mac“ Brazel im Sommer 1947 seltsame Dinge auf seiner Farm gefunden hatte, 50 Kilometer nördlich von Roswell. Schrott, Ballonfetzen, deren Herkunft ihm schleierhaft erschien. Zwischen einem Anruf bei der örtlichen Zeitung und einem weltweiten, mehrere Jahrzehnte anhaltenden UFO-Fieber lag eine völlig missglückte Kommunikationspolitik der U.S. Air Force: Je mehr sie dementierte, verschleierte und versteckte, desto interessanter wurde die Geschichte für die Öffentlichkeit. Amerika, ohnehin ein dankbarer Boden für Verschwörungstheoretiker, hatte ein großes Thema gefunden, das sich sehr schön immer wieder neu befeuern ließ.

  

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Das International UFO Museum and Research Center auf Roswells Main Street hat dennoch den unschlagbaren Charme der Siebziger. Fein säuberlich auf Kartons kaschiert, erzählen Tafeln in Schreibmaschinenschrift von dem, was war oder eben vielleicht auch nicht. Immer vage genug, um sich nicht vollends lächerlich zu machen, aber in der Summe seiner Puzzlesteinchen doch wirkmächtig genug, um jene, die daran glauben wollen, dass es Aliens bis auf die Erde geschafft haben, nicht zu enttäuschen.

Roswell lebt gut von UFO-Zinnober: Eine Stadt hat ihr Alleinstellungsmerkmal gefunden, sie profitiert davon, sie wächst, und man wird hier genauso wenig Einheimische finden, welche die Existenz von Aliens leugnen, wie Agnostiker im Vatikan. Was aber wäre Roswell, was wäre New Mexico ohne Außerirdische? Die Wahrheit ist: trotzdem eine verdammt spannende Gegend.

Keine Stunde von Roswells Stadtzentrum entfernt liegt der Bottomless Lakes State Park. Gnadenlos brennt die Sonne vom Himmel, Schilder ermahnen Besucher, genügend Trinkwasser mitzunehmen. Hier treffen die nördlichsten Ausläufer der Chihuahua-Wüste auf die Prärie, dazu kommen Gipsvorkommen im Boden. Wasser löst den Gips, es entstehen sogenannte Sinkholes, Krater im Boden, die sich mit Wasser füllen: Das sind die Bottomless Lakes. Die türkise Wasserfarbe hat Cowboys dazu verleitet, die Seen für endlos tief zu halten (in Wahrheit sind es maximal 27 Meter).

Nur wenige Meilen entfernt fließt der Felix River. Sollte Felix Baumgartner mit seiner Kapsel von den Winden nach Süden getragen werden, könnte es tatsächlich passieren, dass er am Fluss landet, der seinen Namen trägt. Die nächstgelegene Stadt heißt seit 1905 Hagerman, was insofern schade ist, als sie 1894 doch unter dem schönen Namen Felix gegründet worden war. Warum die Änderung? Man ehrte damit James John Hagerman, der die Eisenbahnlinie von Roswell ins heutige Carlsbad, New Mexico, gebaut hatte.

Viele klassische Wildwest-Geschichten haben in genau dieser Gegend gespielt. Was Roswell die Aliens sind, ist Lincoln der jugendliche Outlaw, Revolverheld und Viehdieb Billy the Kid (berühmt aus Film, Comic und TV), später von seinem Ex-Kumpan und Neo-Sheriff Pat Garrett erschossen, 1973 von Sam Peckinpah verfilmt und vor allem wegen des grandiosen Soundtracks von Bob Dylan Fixbestandteil im Kanon der endgültigen Western.

Sollte der Wind Felix Baumgartner in seiner Kapsel ein klein wenig weiter gen Norden treiben, könnte er glauben, in Österreich gelandet zu sein. Das Apache Ski Resort in Mescalero ist ein ausgewachsenes Wintersportgebiet, selbst für mitteleuropäische Verhältnisse: neun Lifte, mehr schwarze als blaue Pisten, der Sierra Blanca Peak liegt auf 3652 Meter Seehöhe. Durchschnittliche jährliche Schneemenge: viereinhalb Meter. Am Horizont sieht man die knochentrockene Chihuahua-Wüste. Mehr Abwechslung auf weniger Platz ist fast nicht denkbar.

Sollte der Südostwind nur ein klein wenig schwächer sein, würde Felix ebenfalls in weißem Pulver landen, nur dass es diesmal Gipssand wäre – die White Sands, mit 700 Quadratkilometern die größte Gipswüste der Welt. Allerdings sollte sich Felix Baumgartner seinen Landeplatz gut aussuchen. Ein Teil dieses Gebiets ist Testgelände der U. S. Army für Drohnen und Raketen. Hier wurde am 16. Juli 1945 die erste Atombombe des „Manhattan Project“ gezündet.

 

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Was aber, wenn er genau dort wieder runterkommt, wo er gestartet ist? Der Flughafen von Roswell, auf dessen Gelände Red Bull Stratos abhebt, ist die ehemalige Walker Air Force Base und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier Piloten ausgebildet. Die beiden Bomber, welche die Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abwerfen sollten, waren hier stationiert. Als das Militär abzog, nahm es alles mit. Was blieb, waren die Runways: über 5000 Acres (ca. 2000 Hektar) allein innerhalb des umzäunten Geländes.

Wie bewirtschaftet man so viel Asphaltfläche mit Fluganbindung? Die cleveren Menschen von Roswell machten im Jahr 1991 einen Flugzeug-Parkplatz daraus. Im Frühling 2012 standen 200 Maschinen in Roswell, in Zeiten, da die Konjunktur völlig am Boden war, waren es auch schon 350, und es gibt noch Platz für mehr.

Als Joe Kittinger, der Joe Kittinger, vor drei Jahren mit einem Teil der Crew von Red Bull Stratos beim Hauptgebäude zur Tür hereingestiefelt kam, war der Stadtverwaltung rasch klar: „Wir wollen die Host City für Red Bull Stratos werden.“ Man einigte sich auf ein Areal im hinteren Teil des Flughafengeländes. Perfekt für Red Bull Stratos und weit genug weg von den geparkten Flugzeugen, dem normalen Flugbetrieb und den UFO-Freaks, die alle nur ein Ziel haben: Hangar 84, wo die vermeintlichen Aliens nach ihrem Absturz im Jahr 1947 untersucht wurden.

Geht alles glatt, bekommt Roswell diesen Sommer neben den UFOs eine weitere Attraktion. „Wir haben am Flughafen durchaus noch Platz für ein Red Bull Stratos-Denkmal“, sagt Brady. Und Felix Baumgartner, ein Mann mit Gespür für die Einheimischen, kreuzte zu seinem ersten Testsprung mit einer Bomberjacke auf, die statt seines Namens die Aufschrift „Alien Hunter“ trug.

Roswell hat ihn geliebt dafür.

 

Mehr Infos auf der Homepage von Red Bull Stratos

 


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