reckermann portarit.jpg

Gegner lesen, Geist schärfen, niemals satt werden: Weltmeister Jonas Reckermann (30) erklärt die Psychologie des Beachvolleyballspiels.

Wie sieht das Verhältnis von Athletik und mentaler Stärke bei einem perfekten Volleyballer aus?
Im Beachvolleyball spielt die mentale Stärkte eine sehr große Rolle. Die Drucksituationen sind da schon fast so groß wie bei Einzelsportarten. Der Partner kann noch so gut spielen, wenn man selber Mist baut, verliert man. Und andersrum ist es genauso. Dessen ist man sich bewusst. Man ist immer nur so stark als Team, wie das schwächste Glied.

Wie bereitet ihr euch auf diese entscheidenden Momente vor, die ein Match entscheiden?
Ganz simulieren kann man solche Situationen nicht. Es kommt dabei auch viel auf die Wettkampferfahrung an. Wir spielen ja schon mehrere Saisonen als Profis. Man kann natürlich versuchen, Drucksituationen künstlich zu schaffen, indem man Sätze simuliert, die beim Stand von 15:15 anfangen. Dann weiß man: Wenn ich jetzt Fehler mache, verliere ich den Satz sofort. Letztendlich kriegt man das Gefühl dafür aber nur durch das Spiel an sich.

Was hat Julius und dich dazu veranlasst, Trainingseinheiten im Salzbergwerk Merkers in 420 und 850 Meter Tiefe zu absolvieren?
Wir arbeiten als Spitzensportler intensiv mit Sportpsychologen zusammen. Gleich in unserer ersten gemeinsamen Saison 2009 haben Julius und ich viele Ziele erreicht und sind Weltmeister geworden. Uns ging es nun darum, im Training neue Reize zu setzen. Wir dürfen keine Zufriedenheit aufkommen lassen, denn Zufriedenheit ist der Tod des sportlichen Erfolges. Wenn man die Vorgaben „neue Reize“ und „harte Arbeit“ hernimmt, dann ist ein Bergwerk natürlich ein passender Ort.

Wir dürfen keine Zufriedenheit aufkommen lassen - Jonas Reckermann

Wie fühlt sich das Training in den Tiefen eines Salzbergwerks an?
Ich sehe das sehr stark unter dem psychologischen Aspekt. Ich habe noch nie in solchen Tiefen trainiert. Vor allem der zweite Platz in mehr als 800 Metern unter der Erdoberfläche ist definitiv der außergewöhnlichste Trainingsort an dem ich bisher war. Außerdem ist die Luft ist sehr trocken und salzig. Da wir heuer kein Training in Übersee absolviert haben, war es auch eine gute Möglichkeit, mitten in Deutschland im Winter heiße Temperaturen zu simulieren.

Wie schafft man es aus einer Gruppe von Top-Mannschaften bis ganz an die Spitze der Beachvolleyball-Elite?
Das ist ein langer Weg für den wir nun schon einige Jahre gearbeitet haben. Ich bin mittlerweile in meiner zehnten Saison Profi und Julius ist es auch schon neun Jahre. Und dieser Weg setzt sich irgendwann durch. Das heißt jetzt nicht, dass wir für die nächsten drei Jahre die Nummer eins sein werden. Aber im vergangenen Jahr haben wir es geschafft.

Was hat letztendlich den Ausschlag für die erfolgreiche Saison 2009 gegeben?
Zum einen natürlich, dass wir zueinander gefunden haben. Wir sind zwei Spieler, die sich sehr gut ergänzen. Es war auch unser großer Wunsch miteinander zu spielen und durchzustarten. Das sind die Rahmenbedingungen.

Welche speziellen Eigenschaften kommen zu diesen Rahmenbedingungen noch hinzu?
Es kommt darauf an, dass man als Team funktioniert. Wir versuchen zudem, uns ein hochprofessionelles Umfeld aufzubauen. Wir haben beide sehr viel und hart für unseren Erfolg gearbeitet – auch mit dem nötigen Spaß dabei. Irgendwann war es dann ein Selbstläufer. Es kamen rasch die ersten Erfolge und dann geht natürlich vieles leichter von der Hand, als wenn man einen beschwerlichen Auftakt hätte.

Psychologische Kriegsführung gibt es im Beachvolleyball eher selten - Jonas Reckermann

Versuchst du, deine Gegner während des Spiels zu lesen?
Natürlich gibt es Spieler wo man weiß: Die lässt man besser in Ruhe, denn wenn die heißlaufen, spielen sie besser. Oder wenn man die aus dem Konzept bringt, spielt er schlechter. Aber das ist ja schon fast psychologische Kriegsführung, und die gibt es im Beachvolleyball eher selten.

Wie lautet dein persönliches Erfolgsrezept?
Man kann noch so athletisch sein, wenn man mental nicht stark und gereift ist, bringt dir dein ganzer guter Körper nichts. Und noch etwas ist wichtig: Man muss versuchen, klug zu spielen. Das heißt nicht unbedingt, dass man klug sein muss, aber man muss klug spielen. Man muss sich mit der Sportart auch geistig auseinandersetzen, damit man gerade unter Druck noch klare Gedanken fassen kann.

www.brinkreckermann.de


Kommentare

    Einen Kommentar hinzufügen

    * Alle Felder müssen ausgefüllt werden
    Es sind nur 2000 Zeichen erlaubt :
    Gib das Word auf der linken Seite ein und klicke auf "Kommentar abschicken".

    Artikel Details