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Jonas Reckermann ist nicht nur Beachvolleyball-Weltmeister, sondern auch Geographie-Student und kritischer Zeitgenosse. Hier ist sein Trainingslager-Blog über Klimawandel und Kölner U-Bahn-Skandal.

Hallo zusammen!

Zurzeit genieße ich auf Teneriffa die warme Sonne, doch zuletzt sind auch die Temperaturen in Köln wieder auf Werte geschossen, die die letzten drei Monate Eiszeit schon fast vergessen machen. Die Klimaforscher werden dadurch ermutigt, wieder über Erderwärmung und Klimakatastrophe zu reden.

Meinem Beruf würde eine Erderwärmung von ein paar Grad Celsius natürlich gut zu Gesicht stehen: Lästige Flüge auf die Kanaren und nach Brasilien würden wegfallen, stattdessen wird das Neujahr am Strand von Warnemünde begrüßt.

Meine Freundin behauptet ja steif und fest, dass die letzten Monate den Beginn einer neuen Eiszeit darstellen: Ganz abwegig wäre es ja auch nicht. Setzt sich der Trend der letzten Jahrtausende fort, wäre unser größtes Problem nicht Beachvolleyball in Alaska, sondern Gletscher im Sauerland: Die jetzige Warmzeit dauert schon 10.000 Jahre, eigentlich müssten 100.000 Jahre Eiszeit folgen! Wir beobachten das Ganze mal, in meiner Heimat gibt es zurzeit ohnehin ganz andere Sorgen:

In Köln ist das Titelthema der Zeitungsgrößen EXPRESS und BILD momentan in der Tat nicht der Countdown bis zur 2000. Minute ohne Torerfolge von Stürmerstar Podolski sondern der U-Bahn-Pfusch!

Seit gefühlten 35 Jahren wird eine neue U-Bahnstrecke in Köln gebaut und neben dem Einsturz des Stadtarchivs, und der Plünderung der Haushaltskassen brachte dies auch noch einen der größten Bauskandale Deutschlands mit sich: Diverse tonnenschwere Stahlträger wurden nicht verbaut, sondern verhökert - die halbe Kölner Innenstadt gilt derzeit als latent einsturzgefährdet.

Aus Angst vor einem Anstieg des Grundwasser in Rheinnähe wurde entschieden, die in 25 m Tiefe befindliche und durch den Anstieg von Grundwasser massiv einsturzgefährdete Baugrube (riesiger Hohlraum) wieder zu füllen.

Jetzt ist natürlich die Frage, womit diese gefüllt und stabilisiert werden soll. Mir sind da spontan Sand, Zement oder Restkamelle vom Rosenmontagsumzug in den Sinn gekommen. Aber mitnichten!! Was ist die beabsichtigte und angeblich geeignetste Maßnahme gegen die Folgen eines befürchteten Grundwasseranstiegs? Wasser! Dies ist jetzt kein neuerlicher Witz der Baufirma sondern wohl wirklich die beabsichtigte Lösung der Probleme.

Man muss vermutlich Statiker oder Angestellter dieser Firma (kann man ruhig mal nennen: Bilfinger-Berger) sein, um darin keinen Widerspruch oder leichte Ängste zu verspüren. Wenn Wasser so stabilisierend ist - warum benutzt man denn dann überhaupt noch die schweren, unhandlichen und teuren Stahlträger? Grube buddeln, ein paar Kammern einziehen und mit Wasser voll machen - fertig ist das Fundament für das nächste Prestigeobjekt in Dubai oder Hongkong!

Vielleicht tue ich den Jungs vom Hobby-Projekt "U-Bahn-Bau" aber auch unrecht und wir haben es mit exakter, komplexer und langfristig vorausschauender Planung zu tun: Es kommt wirklich eine neue Eiszeit, das in die Baugrube geleitete Wasser wird für die nächsten 100.000 Jahre gefroren sein und dann - ja dann - erscheint das Projekt "Wasser gegen Wasser" in einem anderen Licht, denn Eis ist nun wirklich extrem fest und wird den Einsturz verhindern!

Also: Neugegründeten Nobelpreis für Umweltphysik an Bilfinger-Berger und wenn jetzt auch noch Prinz Poldi mal wieder ein Törchen macht, wird in Köln die nächste Karnevalssession vorgezogen.

In diesem Sinne ein dreifachen "Alaaf"!

Euer Jonas

www.brinkreckermann.de
 


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