Drachenflug-Weltmeisterin Corinna Schwiegershausen über Drachenfliegen im All, Sebastian Vettel und ihre Glücksfeder im Gurtzeug.
Wie würden dich deine Sportlerkollegen beschreiben?
Ambitioniert, motiviert, ausdauernd.
Und wie deine Freunde?
Optimistisch, freiheitsliebend, spontan.
Welchen Berufswunsch hatten deine Eltern für dich?
Ärztin
Und mit welchen Worten hast du sie überzeugt, dass du Profisportler werden musst?
„Ich bin gerade Deutsche Meisterin im Drachenfliegen geworden...“
Als du deinen Freunden gesagt hast, dass du jetzt Profisportler wirst – was haben sie geantwortet?
Das passt zu Dir.
Wenn du nicht Sportler geworden wärest, welchen Beruf hättest du dann gemacht?
Medizin? Journalismus? Kunst??? Ich bin berufstätig, als selbständige Grafik-Designerin, Journalistin, Fluglehrerin und Flugbegleiterin...
Was machst du beim Wettkampf anders als deine Konkurrenz?
Ich habe sehr viel Spaß am Sport selbst, bin diszipliniert und schaue nach vorne. Dennoch hab ich ein gesundes Maß an Selbstkritik, versuche, meine Fehler zu analysieren, aber nicht daran festzuhalten.
Was war der bewegendste Moment deiner Karriere, von dem du noch deinen Enkelkindern erzählen wirst?
Ein Treffen mit Steve Morse, dem Gitarristen von Deep Purple – sein Privatflugplatz wurde zufällig ausgewählt als Ziel der WM in Florida, dort habe ich ihn als flugbegeisterten Menschen kennengelernt. Keine Star-Allüren!
Sport ist harte Arbeit und Disziplin. Was ist die härteste Übung in deinem Trainingsplan?
Jogging – macht mir nicht wirklich Spaß, aber ich mache es, um meine Kondition zu steigern, wodurch die Konzentration in der Luft besser wird.
Was isst und trinkst du am Tag des Wettkampfs?
Morgens esse ich Vollkornprodukte, Obst, viel Wasser , Fruchtsaft – muss mich aber zum Frühstück zwingen, da ich eigentlich kein so Frühstückstyp bin. Bis etwa 2 Stunden vor geplanter Startzeit trinke ich 1 bis 2 Dosen Red Bull, um die überschüssige Flüssigkeit loszuwerden und damit in der Luft kein Problem zu haben. Vor dem Start vielleicht noch ein Müsliriegel. Am Ende des Fluges oder nach der Landung trinke ich wieder recht viel Wasser. Abends koche ich gern ein leckeres Essen mit viel frischem Gemüse, meistens recht scharf gewürzt, immer vegetarisch, z.B. Thai-Curry, als Beilage gern auch mal Dinkel oder Buchweizen statt Reis.
Und was direkt danach?
Champagner! Nein, ernsthaft, nach einem Wettbewerb esse ich eigentlich weiterhin wie währenddessen, nur dass das Frühstück eher zum Mittagessen wird und ich morgens gerne grünen Tee trinke
Wenn du dein Ziel nicht erreicht hast, dann denkst du…
Ich analysiere, warum ich nicht angekommen bin und versuche, beim nächsten Flug diese Fehler zu vermeiden. Oder ich versuche, auf anderen Wegen mein Ziel zu erreichen, falls es noch möglich erscheint.
Wenn du dein Ziel erreicht hast, dann denkst du…
Auch dann analysiere ich, wieso es so gut funktioniert hat. Ich freue mich – manchmal wundere ich mich auch, dass die Dinge, die ich mir gewünscht oder visualisiert habe, tatsächlich Realität geworden sind.
Was musstest du aufgeben, um deine Sportkarriere gehen zu können?
Ich denke nicht, dass ich irgendetwas dafür aufgeben musste.
Was machst du in den letzten 10 Sekunden, bevor du an den Start gehst?
Ich konzentriere mich auf Thermik und Windrichtung, versuche, möglichst alle Informationen wahrzunehmen und ganz in diesem Moment zu sein.
Hast du einen Glücksbringer oder ein Ritual?
Ich habe eine riesige Adlerfeder in meinem Gurtzeug, die auf jedem Flug mit dabei ist. Eine gute Freundin aus der Schweiz hat mir diese Indianerfeder als Glücksbringer und Schutz geschenkt.
Welche drei Sportler sind für dich die wichtigsten Sportler auf der Welt?
Sebastian, Sebastian und Sebastian!! Ich freue ich mich sehr über sein gute Saison, denn er ist nicht nur Top-Sportler, sondern ein Super-Typ und steht für mich stellvertretend für die Einstellung der meisten Red Bull Athleten – Never give up, geh bis an die Grenzen und darüber hinaus, heb ab, aber bleib dabei komplett auf dem Boden. Ich finde Leute toll, die eine hohe Eigenmotivation haben, Optimismus, eine große Leistungsbereitschaft, sich bei allem Erfolg aber selbst nicht zu wichtig nehmen.
Mit welchem Sportler würdest du um keinen Preis der Welt tauschen und warum?
Mit ganz prominenten Superstars, die überall erkannt werden und denen ständig die Boulevardpresse hinterherrennt – das würde ich als Einschränkung meiner persönlichen Freiheit sehen und bin dankbar, dass ich mich relativ unerkannt in aller Welt bewegen darf.
Mit welchem Spruch hat dich dein Trainer mal so richtig frustriert?
„Es regnet, die WM ist vorüber, ohne dass wir fliegen konnten, also gibt es keinen neuen Titel“ – Unsere WM am Tegelberg ist leider komplett dem schlechten Wetter zum Opfer gefallen, dabei wollte ich, dass es für alle Teilnehmer der beste Bewerb aller Zeiten wird... ich habe Wochen gebraucht, um mich von diesem Frust zu erholen.
Mit welchem motiviert?
„Heute ist das Ziel 285 km weit weg!“
Mit welcher Headline würdest du dich gerne auf dem Titel der Bildzeitung stehen?
„Drachenfliegerin im All – Branson´s neue Weltraum-Stewardess“
Welchen Sport würdest du niemals ausüben? Warum?
Boxen – ich möchte niemanden verletzen und halte auch selber nicht viel von Schmerzen.
Was wäre der Titel für einen Film über deine Sportlerkarriere?
“Who cares about gravity?”
Über dich?
Up, up and away
Wem würdest du zuerst danken, wenn man dir einen Oscar verleihen würde?
Meiner Familie.
Was ist Dein größter Spleen?
Egal wo ich hinfahre, ich schaue mich immer nach möglichen Landewiesen um und frage mich, wie ich dort wohl hinfliegen könnte.
Welches Motto beschreibt dich am allerbesten?
Live your dreams – lebe Deine Träume! Und versuche, aus jeder Situation das beste zu machen.
In welcher TV-Serie würdest du gerne mitspielen?
Cobra 11 wäre geeignet für ein paar Stunts...
Welcher Facebook-Gruppe würdest du niemals beitreten?
Alles, was sich in der rechtsextremen Ecke befindet.
Wenn du 20 Jahre voraus schauen könntest: Was machst du da?
Zeitreisen vielleicht?
Und wo bist du?
Sicher irgendwo in der Luft.
Was ist dein No. 1-Video auf YouTube?
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