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Volleyball-Spieler Jonas Reckermann bloggt über die Vorbereitungen für die kommende Saison über lärmende Briten am Flughafen und gibt dabei Reise-Rätsel auf.

Hallo Freunde des Blog- und Ballsports!

Nun hat es doch ein paar Tage länger gedauert mit meinem angekündigten Blogbeitrag. Eigentlich wollte ich ja auf der Rückreise des Teneriffa-Trainingslagers die nächsten Zeilen herunter schreiben, doch Schneechaos und zu viele lärmende, nicht ganz nüchterne Briten in der Abflughalle brachten mich ein wenig aus dem Tritt. Ich zog es, im Flieger zu lesen und zu dösen womit ich mich hervorragend meiner Umgebung anpasste!
 
Auch jetzt sitze ich wieder in einem Flugzeug, doch diesmal lassen sich nicht so einfach Stereotype aus den Passagieren unseres Flugobjekts basteln. Vielleicht ein kleines Destinations-Ratespiel? Ich warte nicht auf Antwort sondern fange einfach mal an. Gesucht ist ein Zwischenstopp meiner Reise, mit jedem Hinweise sollte es ein wenig einfacher werden:
- Frankfurt war Abflugort (für die Vielflieger noch ein Extrahinweis: Terminal 1B)
- Es geht Richtung Osten
- Die Flugdauer beträgt mehr als 3 Stunden
- Etwa die Hälfte der Passagiere kommt ursprünglich nicht aus Europa
- Bei der gleichen Hälfte haben die Augen eine leicht verengte Form (auch dann wenn nicht das Baby in der Reihe nebenan brüllt)
- Nein, die Bewohner des Ziellandes spucken nicht auf den Boden (außer auf Fußballfeldern) und kaufen auch nicht gerade halb Europa auf
- Die Flugdauer beträgt ca. 12 Stunden, die Entfernung 11.000 km
- Der Name der Fluggesellschaft beinhaltet den gesuchten Ort
- Es handelt sich um den beliebtesten Umsteigeflughafen auf dem Weg nach Ozeanien

Eigentlich müsste man jetzt allmählich auf das Lösungswort kommen aber für alle die vielleicht nicht so häufig reisen oder sich gedanklich schon (oder noch) im Wochenende befinden hier noch ein kleiner Hinweis aus dem Hause Kalauer: Was sagt ein mutiger Bayer zu der Coverband wenn er ein Lied von Hartmut Engler hören möchte?

Genau: "Sing a Pur"!

Ich verzichte auf die nächste Raterunde und berichte ganz nüchtern, dass es nach zweistündigem Aufenthalt dann weiter geht mit Kurs auf Neuseeland. Im Allgemeinen sind meine Gesprächspartner immer ein wenig angesäuert, wenn ich den Namen dieses Landes fallen lasse, aber ich kann den Neid weder entkräften noch verstärken, denn ich war wirklich noch nie dort. Vielleicht regnet es dort ja auch größtenteils, es gibt nur zähes Lamm zu essen und die Strände sind wegen Dioxinfunde gesperrt!? An all das glaube ich zwar nicht, aber verzichte dennoch auf Lobhudeleien über  ein ungesehenes Land - kann ich ja dann im nächsten Bericht nachholen ;)

Kommen wir stattdessen doch noch mal auf etwas profaneres, unspektakuläreres, ja fast schon mausgraues zu sprechen: Düsseldorf. Wie ich darauf komme? Nun, zum einen habe ich heute drei Kreuze gemacht als unser letztes Beachtraining in der dortigen Beachhalle vorbei war und ich auf der eher einem Freibad gleichenden A57 mit meinem Smart souverän Richtung Köln gebraust bin, womit das tägliche Pendeln vorerst ein Ende gefunden hat. Ich fahre ja eigentlich gerne Auto, aber im November glichen die Autobahnen im Großraum Köln-Düsseldorf eher einer einzigen Großbaustelle, im Dezember das gleiche Bild in schneeweiß und im Januar kollidierten dann die Fahrten nach Dorf immer mit den Liveübertragungen vom Biathlon!! Ihr seht also: Entbehrungen allenthalben wenn man als Kölner in die Landeshauptstadt pendeln muss!!

Das zweite Eindringen Düsseldorfs in mein Bewusstsein hätte mir beinahe den Tag und meine Köln-Düsseldorfer Ansichten verhagelt. Den Beginn meiner Fernreise stellte nämlich heute/gestern eine Fahrt im Kölner Taxi dar. Eigentlich passierte nichts besonderes, der Fahrer und ich maulten gemeinsam ein wenig über das Wetter und die Ampelschaltung auf dem Innenstadtring. Letztere ist zugegebenermaßen in etwa so logisch und durchdacht wie ein Drei-Minuten-Monolog von Lodda, Lukas oder Lena zu einem beliebigen Thema.

Dies alleine erklärt aber noch nicht die Tatsache, dass uns beiden nichts Besseres einfiel als das Verkehrsleitsystem Düsseldorfs (!) lobend hervorzuheben. Dort sind die Ampel nämlich zeitlich so versetzt geschaltet, dass man bei gleichbleibendem Tempo 50 kontinuierlich vorwärts kommt. In Köln sind die Ampeln dagegen zwar ebenfalls zeitlich versetzt geschaltet aber leider genau andersherum: Fährt man an einer Ampel los, schaltet die nächste auf rot. Zwar schwächten wir das Lob ein wenig ab („Viel weniger Autos in Düsseldorf - da fährt man ja nur hinein wenn man unbedingt muss“, „Das ist nur damit man schneller in Köln ist“) aber die Kernaussage blieb bestehen: Die Ampelschaltung auf den wichtigsten Straßen Düsseldorf ist eindeutig fortschrittlicher und schlauer als in Köln!!

Noch im Flieger beschäftigte mich die Frage, ob Düsseldorf tatsächlich in Sachen Technik und Forschung dem Rest Deutschlands, oder zumindest Köln, enteilt sei und konnte mich daher zunächst nur zögerlich einem Artikel der Welt-Kompaktausgabe widmen. Doch beim Überfliegen der Zeilen stieß ich schon wieder auf die Wörter "Forschung" und "Düsseldorf" und nahm daraufhin den Bericht ein wenig genauer unter die Lupe. Es ging grob gesagt um Legenden aus dem Bereich der Medizin. An dieser Stelle sei kurz angemerkt, dass ich in der Folge lediglich Inhalte von Seite 28 (Ausgabe vom 13.01.) dieser als halbwegs seriös einzustufenden Tageszeitung wiedergebe! In diesem einen Legenden-Fall aus dem Jahr 1939 ging es um von Frau Margarete Soffke untersuchte Ursachen für Ischiasleiden. Sie "befand, dass das Leiden gehäuft vorkomme bei Patienten, die lange Onanie getrieben haben oder auch bei unverheirateten Frauen jenseits des 30. Lebensjahres". Soweit so (nicht) gut. Aber wie kommt nun der Name "Düsseldorf" ins Spiel? Wurde sie dort etwa zum Ehrenmitglied der katholischen Kirche ernannt? Haben Düsseldorfer Krankenkassen aufgrund dieser bemerkenswerten Untersuchung die Krankenkassenbeiträge der Gruppe "unverheiratete Frauen über 30" drastisch erhöht? Nichts davon ist richtig aber die Wahrheit ist auch nicht leichter zu glauben: Frau Soffke erhielt für ihre Thesen den medizinischen Doktortitel der Universität Düsseldorf!! Mein lautes Lachen wich einem zufriedenen Lächeln und der Gewissheit, dass die Ampelschaltung in Düsseldorf anscheinend genauso gut ein Zufallsprodukt oder das Ergebnis einer externen Expertenkommission sein könnte...

So, genug Feinde gemacht für heute, ich muss langsam mal ein wenig aufpassen: In Leverkusen darf ich mich ja auch schon seit längerem nur noch deshalb blicken lassen, weil man dort immer was zu lachen hat, wenn ich nach einem Bundesligawochenende mal wieder mit zerknirschtem Gesichtsausdruck den dortigen Kraftraum aufsuche. Vielleicht sollte ich demnächst zwecks potentieller Rückzugsmöglichkeiten wenigstens mal ein paar nette Worte über Bonn und Aachen verlieren… (tut mir leid, liebe Dürener: außerhalb der Eifel und des Rheinlands kennt man Düren kaum und zum anderen würde mir die Sache mit den Komplimenten schwerfallen...)!?

Ach, ich meine es doch nicht böse, will eigentlich nur spielen und das nicht nur mit Wörtern, sondern auch mit Bällen. Zwar habe ich mir einen Platz am Notausgang ergattern können, doch auch mit ausgestreckten Beinen und ohne Verpflegungswägelchen an meiner Kniescheibe bringen Langstreckenflüge nur bedingt Freude.

Ich sehne mir jedenfalls nach exakt 3 von 23 Flugstunden (Aufenthalt bei Hartmut Engler nicht mitgerechnet) das Ziel meiner Reise schon herbei und schaue leicht neidisch nach links auf den seit 170 Minuten im komatösen Tiefschlaf befindlichen Julius. Ist vielleicht aber auch besser, dass er schläft und nicht mitbekommt worüber ich schreibe, denn er ist ja nicht nur in Leverkusen aufgewachsen, sondern seit einem Jahr auch noch Wahl-Düsseldorfer...!

Ich nenne lieber keinen Termin für den nächsten Text, als Inhalt könnte ich mir aber Abhandlungen darüber vorstellen, warum mein Rechtschreibprogramm zwar "Lobhudeleien" kennt aber weder "Raterunde", noch "Lodda"...

Bis dahin,

Euer Jonas
 
www.brink-reckermann.de
 
 

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