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Beach-Volleyballer
Jonas Reckermann sitzt im Flugzeug und ist nachdenklich geworden. Diesmal blogt er nicht über Trainingslager oder Vorbereitungsspiele - sondern über Themen, die ihn aufwühlen: Erdbeben, atomare Unfälle und Aufstände in Nordafrika.


Hallo zusammen!


Derzeit befinde ich mich auf dem Rückflug aus dem Teneriffa-Trainingslager. Eigentlich wäre jetzt ein Rückblick auf die beiden Trainingslager von Fuerteventura und eben auf Teneriffa an der Reihe, aber ich habe mich anders entschieden. Ich schreibe lieber über ein anderes Thema. Dieses gehört nicht unbedingt zu der sonst üblichen Kategorie „lustig-leicht". Aber bei der augenblicklichen überregionalen Nachrichtenlage möchte ich mich dieses Mal etwas ernsteren Dingen widmen. 

Seit einiger Zeit schon lässt mich das Gefühl nicht mehr los, dass ich entweder immer schneller älter werde oder sich in immer kürzerer Abfolge Dinge in der Welt ereignen, die über den Status einer reinen Randnotiz hinausgehen. Hiermit meine ich ausdrücklich nicht solche Dinge wie die Guttenberg-Affäre, wenngleich man die Berichterstattung hierüber durchaus einer kritischen Betrachtung unterziehen könnte, denn der Tod deutscher Soldaten in Afghanistan war auf einmal weniger bedeutsam als die Frage, ob auf jeder zweiten oder nur jeder dritten Seite der Doktorarbeit falsch oder auch gar nicht zitiert wurde. 

Grubenunglücke, Erdbeben, Tsunamis, Hurrikans, Schneemassen, Ölpest, Vulkanausbrüche, atomare Unfälle, Überschwemmungen, Regimeumstürze. Ich bräuchte jetzt hier im Flieger eigentlich Internet, um auch nur ansatzweise die Ereignisse aufzählen zu können, die in den letzten 12 Monaten weltweite Aufmerksamkeit und Bedeutung nach sich zogen.

Obwohl ich in meinen Blogbeiträgen bekanntermaßen von meinem Alltag als Beachvolleyballprofi - abseits der Courts - berichte, möchte ich dies zum Thema meines Blogs machen. Mir ist bewusst, dass ich einen schmalen Grat betrete, wenn ich von persönlichen Lappalien berichte, während an den Orten der Ereignisse tausende Menschen starben, obdachlos wurden oder ganze Staaten vor dem Zusammenbruch stehen. 

Ich möchte an dieser Stelle lediglich einige selbst erfahrene, der aus meiner Sicht zahlreichen Auswirkungen dieser meist in tausenden Kilometern Entfernung geschehenen Ereignisse aufzählen. Aus meiner Sicht ist es wichtig zu sehen, dass die Auswirkungen dieser Katastrophen nicht lokal begrenzt sind, sondern auch mehr oder weniger stark ausgeprägt den Alltag oder auch Reisegewohnheiten auf der ganzen Welt beeinflussen. 

Knapp ein Jahr ist es her, dass der Flugverkehr in ganz Europa über mehrere Tage stillstand, weil auf Island ein Vulkan ausgebrochen war, dessen Namen ich im Augenblick nicht fehlerfrei schreiben kann. Damals saßen wir wie Millionen von weiteren Flugreisenden fest und kamen nur mit sehr viel Glück und Ausdauer noch rechtzeitig zu einem Turnier in Brasilien.

Im Januar und Februar waren wir dann im Trainingslager in Neuseeland und Australien. Auch hier stimmten uns Naturkatastrophen nachdenklich. In Australien kam es kurz vor und während unseres Trainingslagers im Nordwesten zu den größten Überschwemmungen aller Zeiten, ganze Landstriche waren von der Außenwelt abgeschnitten, Städte überflutet, Flughäfen geschlossen. Wir hatten Glück, denn Sydney liegt zwar für australische Größenordnungen nur knapp südlich des Katastrophengebiets aber dennoch weit genug entfernt, um nicht direkt betroffen gewesen zu sein. 

Kurz nach unserer Rückkehr nach Deutschland ereignete sich dann ein verheerendes Erdbeben in Neuseeland. Die größte Stadt der Südinsel, Christchurch, wurde weitest gehend zerstört, viele tausend Menschen starben oder wurden obdachlos. Der Wiederaufbau in Neuseeland wird mehrere Jahre dauern.

Ebenfalls in diesem Zeitraum begannen die ersten gewaltsamen Proteste und Unruhen in Nordafrika, genauer gesagt zunächst in Tunesien. Auch deren Auswirkungen trafen Europa nicht nur auf politischer Ebene. Ferienregionen in Ägypten und Tunesien waren nicht mehr sicher, insbesondere die Kanaren dienten als Ersatzziel für Urlauber. Es war schwieriger als gewöhnlich, Hotels und Flüge zu buchen und leider versuchten die Reiseveranstalter auch noch Kapital aus den Ereignissen zu schlagen. Normalerweise werden Flüge, insbesondere die der Billigflieger, immer teurer je näher der Abflugtag rückt. In diesem Fall kostete aber das Ticket unseres Trainers zum Buchungsdatum im Februar mehr als doppelt (!) so viel wie bei einer Testbuchung des gleichen Fluges zwei Tage vor der Abreise. Es ist zwar nur eine Vermutung aber der Verdacht liegt nahe, dass die Fluggesellschaften die Tatsache ausnutzten, dass viele Urlauber die eine Reise nach Tunesien oder Ägypten organisiert hatten nun kurzfristig neu buchen mussten. 

Vor vier Wochen dann in Japan die verheerende Abfolge von Erdbeben, Tsunami und atomarer Katastrophe die sogar den Krieg in Libyen für Tage in den Hintergrund drängten. Jedes Ereignis für sich ist schon verheerend genug - aber die Kombination und deren Folgen sind kaum fassbar und schon gar nicht zu beseitigen. Angesichts der Ereignisse in Japan fällt es noch etwas schwerer, es als Problem zu bezeichnen, dass sich viele Beachvolleyballer (und natürlich auch andere Sportler und Geschäftsreisende) darüber Gedanken machen, ob sie zu einem Turnier nach Shanghai reisen sollten. Zwischen Shanghai und Fukushima befindet sich zwar noch das Chinesische Meer aber eben auch nur knapp 2000 Kilometer Distanz. Dass in China schon mal Inhaltsstoffe in die Nahrungskette gelangen die dort eigentlich nicht hingehören (z.B. auch das Dopingmittel Clenbuterol) nimmt einem nicht unbedingt die Angst vor gesundheitsschädlicher, weil verstrahlter, Lebensmittel.

Mir ist es nur wirklich wichtig noch einmal anzumerken, dass dieser Text nicht aufgefasst werden soll als Dokument wie arg gebeutelt wir Vielreiser durch die Katastrophen in aller Welt sind! Der mir persönlich entstandene Schaden geht gegen Null und dennoch hat die subjektiv wahrgenommene Häufigkeit der genannten Ereignisse wohl zu der Einschätzung beigetragen, dass man nie sagen kann und sollte: „Zum Glück ist das weit weg, das betrifft uns nicht."

Beim nächsten Mal stehen dann hoffentlich wieder erfreulichere und leichter verdauliche Dinge im Fokus, ich wünsche allen Lesern eine schöne Woche.

Euer Jonas

 

www.brink-reckermann.de

 
 

 


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