Ein Beachvolleyball-Weltmeister bloggt über den aufregenden Alltag in der Klinik. Jonas Reckermann über Kampfsporteinlagen, Muskel-Stimulation und Gummi-Übungen.
Hallo!
Lang ist es her, seit dem letzten Eintrag an dieser Stelle! Höchste Zeit, mal wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben aber die Pause hatte durchaus ihre Gründe!!
Als erstes wäre da anzumerken, dass ich erst seit exakt 5 Minuten mein Panini-Album komplett habe und mich daher in meiner Freizeit anderen Dingen zuwenden kann als den mehr oder weniger gelungenen Portraits der Suarez, Müllers und Cardosos dieser Welt!
Die zweite Sache, die einen früheren Blogbeitrag verhinderte, war leider eine Verletzung. Julius und ich hatten es ja mit dem Teamgefühl ein wenig übertrieben und uns innerhalb eines Spieles in Prag einen Innenband- bzw. Meniskusriss zugezogen und durften somit gemeinsame Wochen in der Reha verbringen!
Kaum einen Satz habe ich in den vergangenen drei Wochen häufiger gehört als diesen: "Das ist natürlich Pech aber wenigstens hast Du jetzt mal viel Zeit"! Ich ahnte schon vor dem Beginn der Reha, dass dem vermutlich nicht so sein würde, denn heutzutage ist komplette Ruhigstellung auch nach einer OP verpönt und so kam es dann auch:
Bereits am Tag nach dem Eingriff, und von dort an täglich, ging es zum Physiotherapeuten, nach zwei Tagen machte ich schon komische Übungen die irgendwo zwischen BOP-Gymnastik (Betonung auf dem "O") und Koronarsport anzusiedeln waren und nach drei Tagen saß ich bereits wieder auf einem Fahrradergometer.
In der zweiten Woche ging es dann so richtig rund und ich fragte mich ob da nicht ein Missverständnis vorliegt. Der Begriff "Rehabilitation" wird wörtlich wohl am besten mit "Wiederherstellung" übersetzt.
Sehr bald habe ich mich aber gefragt "als was" die mich wiederherzustellen gedenken? Kurzfristig hatte ich den Verdacht, dass meine Akte vertauscht wurde und sich irgendein Nahkampfspezialist mit Extremsporterfahrung gerade fragt, warum er denn immer einen Beachvolleyball in die Hand gedrückt bekommt und nicht ausgelastet ist!?
Die Zeit der Reha hat aber auch ihre positiven Seiten: Man lernt neben Profisportlern aus verschiedensten Sportarten (neben Fußballern waren Eishockey- und Tennisspieler vor Ort) auch ganz neue Muskelgruppen kennen! Wer schon mal über den Boden gerobbt ist, ohne mit dem Bauch oder Knien den Boden berühren zu dürfen, dabei Gummibänder zwischen den Fuß- und Handknöcheln gespannt und einen Fußball auf dem Kopf balanciert hat wird wissen wovon ich schreibe...
Natürlich male ich die Rehazeit nun in tiefschwarzen Farben aus und vergesse beinahe die schönen Momente: Die Therapeuten sind ebenso motiviert wie ihre Zöglinge, man hat trotz der Verletzung immer das Gefühl, Sportler zu sein, kann aktiv am Genesungsprozess mitwirken und gleichzeitig den Muskelschwund so gering wie möglich halten.
Jetzt aber genug der Reha-Nichtigkeiten und noch ein kurzer Ausblick aufs Wochenende: Auf Einladung unseres Partners Red Bull sind wir bei der Formel1 am Hockenheimring zu Gast. Ich war noch nie bei einem Rennen live vor Ort und wenngleich ich zugebe, dass ich mir in der Regel nur den Start anschaue (die Platzierung nach der ersten Kurve deckt sich ohnehin zu 90 % mit dem Endresultat), so freue ich mich doch auf ein Erlebnis der besonderen Art - Tinnitus inklusive! Hiervon und von anderen Dingen werde ich dann beim nächsten Mal berichten!
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende und möchte insbesondere Denjenigen viel Spaß beim Schauerwetter im Freibad wünschen, die sich zuletzt über die Temperaturen jenseits der 35 ° C beschwert haben...!
Viele Grüße aus Köln,
Jonas
www.brink-reckermann.de
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