IRONIE.jpg © Atzgerei

Die Atzgerei und Permanent-Unit sind zwei österreichische Design-Formationen von Weltklasse. Ein Interview über Yetis, Sonic Youth und dreckige Hände.


Beim Wängl Tängl im Zillertal trafen wir Georg Dinstl von der Permanent-Unit aus Graz und
Michael Hacker von der Atzgerei aus Wien. Erstere sind von 7. bis 15. Mai bei der Kosmopolite-Ausstellung in Brüssel
vertreten, Poster und Bilder von der Atzgerei gibt es in der Galerie Inoperable (1070 Wien, Burggasse 24) zu erwerben.

Wie lange kennt ihr euch untereinander schon?
Georg: Seit gestern. Er wollte mit mir schmusen (allgemeines Gelächter). Nein, ein paar Atzgerer kennen die Permanent-Unit-Jungs schon länger, durch Wien-Aufenthalte, Projekte und Ausstellungen, die sich überschneiden.

Wie kommt die Permanent-Unit ins Zillertal?
Georg: Die Ästhetiker sind mittlerweile Freunde von uns. Wir sind jedes Jahr da, machen Grafiken fürs Wängl Tängl und rundherum allerlei Art-Geschichten.

Welche Aufträge führt ihr für die Ästhetiker aus?
Georg: Angefangen von Logos über Folder bis zum Gewand – eine ganze Menge. Beim Wängl Tängl war der Yeti-Aufsteller fürs (leider nicht mehr existente) Sixtynine Magazine unsere erste Arbeit. Das war 2008.

Seid ihr eine Mischung aus Grafikbüro und Künstlerkollektiv?
Georg: Sowohl die Atzgerei als auch die Permanent-Unit bestehen je zur Hälfte aus der ganz normal angemeldeten Werbeagentur für Logos, Folder, Magazine und zur anderen aus der Werkstatt, wo gemalt wird und externe Raumgestaltung geplant und ausgeführt wird. Ein aktuelles Beispiel ist das Deckengewölbe des Palais Kottulinsky in Graz. Es taugt uns in letzter Zeit immer mehr, Lokale und Hotspots anzusehen und drüber zu sinnieren was man mit deren Räumlichkeiten machen kann.

Michi: Die Atzgerei hat genau so ihre Werbejobs mit Grafiken und Illustrationen für Magazine und auf der anderen Seite machen wir auch limitierte Gigposter für Bands wie die Melvins oder Sonic Youth.

Können wir davon ausgehen, dass Handarbeit bei euch groß geschrieben wird?
Michi: Analoge Arbeit steht bei beiden auf jeden Fall im Vordergrund. Während des Studiums waren wir viel hinterm Computer eingespannt, mit Logogestaltung, Grafikdesign und Typografie. Dazu war dann Drucken, Zeichnen und Malen immer ein notwendiger Ausgleich, wobei man sich endlich mal wieder die Hände dreckig macht und auch mal schwitzt beim arbeiten. Das war uns schon immer wichtig.

Werden handgefertigte Bilder danach auch digital weiterverarbeitet?
Georg: Ja, logisch werden Handarbeiten danach noch mal nachvektorisiert, damit sie gescheit gedruckt werden können. Entstehen tun sie aber analog, am Papier.

Arbeitet ihr alle gemeinsam in einem Raum, oder hat jeder von euch sein eigenes Atelier?
Michi: Wir Atzen haben ein Atelier in der Ottakringer Hyrtlgasse. Im Erdgeschoß schaut’s wild aus: Siebdruck, Dreck, Malen, Fotostudio. Im ersten Stock haben dagegen aufgeräumte Bürostimmung – und einen Wuzzler (Tischfußballtisch; Anm.).

Georg: Ganz wichtig, der Wuzzler! Den hat jedes Atelier, glaub ich. Permanent-Unit hat ein großes Atelier in unserem Grazer Office. Da stehen vorn am Eingang Computer, dahinter gibt’s einen eigenen Raum zum Malen. Hier kann man patzen.

Welche Maltechniken wendet ihr an?
Georg: Jeder Künstler macht mehr oder weniger sein eigenes Ding. Der eine greift zum Marker, der andere bevorzugt Akryl oder Schablonen, der nächste geht zur Dose. Am Schluss ergänzen sich diese Techniken meist wunderschön. Es kommt natürlich auch aufs Material an. Wenn die Grundlage ein raues Stück Holz ist, wird ein Minenbleistift wahrscheinlich nicht das beste Thema sein.

Michi: Bei uns ist es oft so, dass zuerst eine Idee fürs Bild da ist und die Idee bestimmt dann wie es umgesetzt wird. Das ist nicht immer so, aber oft. Es hat ja auch jeder schon vom Studium her andere technische Schwerpunkte. Der eine ist mehr im Grafikdesign zu Haus, der andere eher im Film. Die Interessen überschneiden sich, aber jeder hat so seinen eigenen künstlerischen Weg. Was natürlich super ist, weil man sich dann bei der Zusammenarbeit ergänzt.

Woher kommt der Name Atzgerei?
Michi: Der kommt von dem Ort, an dem wir unsere erste Siebdruckwerkstatt hatten: Atzgersdorf, im 23. Bezirk von Wien. Dort bauten wir die alten Klos und Duschen einer stillgelegten Bleigießerei um. Außerdem steckt in dem Namen auch ein Hinweis auf das Handwerkliche, so wie in „Bäckerei“. Er hat also auch ein bisschen Manufaktur-Anklang.

Und Permanent-Unit?
Georg: Simon (Lemmerer) und Oliver (Toman) waren gemeinsam auf der FH. Dort gründet man als Projekt eine Scheinfirma, um auf das Geschäftliche vorbereitet zu werden. Weil sie aber schon damals Kunden wie Völkl an Land zogen, behielten wir deren Namen einfach bei. Zudem erinnert der Name an den Filzstift Permanent Marker.

 


www.permanent-unit.com
www.atzgerei.com
 


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