Er ist eine Legende und sein extremes Kind sowieso. Werner Grissmann (58), Vater des Red Bull Dolomitenmanns, im Interview. Über den härtesten Teamwettbewerb der Welt, automobile Gefühle im Hintern und Schweinsbraten-Verbote.
Werner, du hast den Red Bull Dolomitenmann vor 23 Jahren erfunden. Wenn du selbst eines der 110 Teams, die heuer am Start sind, trainieren würdest: Welchen Tipp bekämen die Athleten von dir?
Ich würd’ die Burschen fragen, warum sie mich als Trainer nehmen. Da geht’s um Berglauf, Kajak, Paragliden und Radlfahren – also um vier Disziplinen, von denen ich keine kann.
Und welche Ernährungstipps würde Werner Grissmann, der Trainer, seinen Schützlinge geben?
Auf jeden Fall keinen Schweinsbraten. Viel Nudeln müssen’s essen, die Burschen, die Kohlehydrate brauchen’s dringend. Und hin und wieder ein Bier geht natürlich auch.
Drehen wir den Spieß um: Wenn man dich quasi verpflichten würde, bei einer Disziplin an den Start zu gehen: Welche würdest du wählen?
Paragliden, da muss man nicht so viel laufen, da brauchst nicht so viel Kraft. Und das ist das einzige, das ich vor vielen Jahren einmal selber probiert hab.
Was braucht ein echter Red Bull Dolomitenmann?
Du brauchst ein Herz wie ein Panzer und eine Lunge wie eine Kampfmaschine. Und am besten, du hast nicht mehr als 50 Kilo am Buckel. Also ich bin da komplett der Falsche.
Weil’s heuer am 11. September beim Red Bull Dolomitenmann in Lienz wieder extrem wird, drängt sich die Frage auf: Was ist für dich extrem, zum Beispiel im Sport?
Wenn ich die ganzen Red-Bull-Kampftiger seh – mit dem Motorrad oder mit Radl oder den Hannes Arch mit seinem Flugzeug. Das ist extrem. Und natürlich auch Rallye und die Formel 1.
Und beim Essen?
Wenn’s extrem gut ist. Zum Beispiel beim Witzigmann oder im Hangar-7, da bist immer gut bedient. Und das Extremste ist eine gefüllte Kalbbrust, da geht für mich nichts drüber.
Vom Essen zu den Autos: Du hast 1990 in einem Porsche einen Weltrekord aufgestellt (6.175 Kilometer in 24 Stunden inklusive Tankstopps; Durchschnittstempo: 267,5 km/h). Du bist mit einem Geländewagen eine Skiabfahrt runter gebrettert und hast bei der Rallye-WM in San Remo einen 5. Platz rausgeholt. Was macht einen guten Autofahrer aus?
Du brauchst ein gutes Gefühl im Hintern. Du musst mutig sein. Du musst eine Ahnung von Linie haben, genauso wie die Skifahren. Darum sind Skifahrer oft auch relativ gute Autofahren. Wenn du querstellst, ist es auf der Piste schlecht und auch auf der Straße.
Apropos Piste: Du bist mit Franz Klammer, Sepp Walcher und Leonhard Stock gefahren. Wer ist für dich der besten Abfahrer aller Zeiten.
Mit Abstand ich – na, Scherz. Der Klammer war schon ein Wahnsinn. Wenn der nicht gewesen wäre, hätte ich mehr als diese eine Abfahrt 1973 in St. Moritz gewonnen. Aber der Beste, das ist schwierig, da gibt’s so viele Namen: Der Lasse Kjus, der Bode Miller, natürlich der Hermann Maier.
Der schönste Moment deines Lebens?
Das ist leichter. Die Geburt meiner Kinder Niki und Nina - da geht nichts drüber. Das war eine super Zeit, das war ein Einschnitt. Die Zwei sind brave und gute Kinder, aus denen was Gscheites geworden ist.
Was macht einen richtigen, einen echten Mann aus?
Groß und stark muss er sein, vielleicht auch intelligent – und guat ausschauen. Dann haben wir alles, was eine Frau sich so wünscht.
Und eine richtige Frau?
Die soll relativ hübsch sein und das gleiche Problem haben wie die Männer – also gscheit sein. Es gibt da einen guten Spruch: Widersprich nie einer Frau, gib ihr Zeit, bis sie selbst widerspricht.
Zurück zum Red Bull Dolomitenmann: Warum wird der Bewerb heuer der beste aller Zeiten?
Weil heuer wirklich alles noch ein bisserl härter, steiler und geiler ist. Beim Kajakfahren wird’s noch schwieriger, mit noch mehr Aufwärts-Passagen. Trotzdem haben sich heuer wieder 300 Teams angemeldet. Aber wir können nur 110 starten lassen, mehr Platz hat der Berg nicht.
Spielen wir zum Schluss Wünsch-dir-was: Welche Athleten hättest du gern irgendwann einmal beim Red Bull Dolomitenmann dabei?
Den norwegischen Biathleten Ole Einar Bjoerndalen, der hat sechsmal Olympia-Gold gewonnen. Und den Langläufer Petter Northug, der hat in Vancouver zweimal Gold geholt. Der wäre heuer auch fast gekommen, aber sein Trainer hat’s leider verboten.
Letzte Frage: Wie lang machst du noch den Red Bull Dolomitenmann?
So lange es geht. Ich hatte damals vor 23 Jahren den Traum, in Lienz etwas Großes zu machen. Heute ist der Red Bull Dolomitenmann ja fast schon wie die Abfahrt in Kitzbühel. Und inzwischen wollen sie ja auch in China und Frankreich so einen Bewerb machen. Aber hier in Lienz, das ist das Original, wo nur die Härtesten unter der Sonne mitmachen.
www.redbulldolomitenmann.com
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