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Der schwedische Haudegen, der seit dem Beginn der Serie im Jahr 2000 immer dabei war, hält den Rekord für die meisten Siege in Folge (sechs!) und zählt nach seinem Triumph 2009 in Lausanne (CH) nach wie vor zur Elite. Im Gespräch berichtet Felder über die Geschichte von Red Bull Crashed Ice, Rivalität und Freundschaft auf und abseits vom Eis. Und vor allem: über seinen Hunger nach noch mehr Erfolg.

Jasper, jeder in der Red Bull Crashed Ice-Szene kennt dich als lebende Legende – schließlich hast du nicht weniger als sechs Rennen in Folge gewonnen! Wie ist es für dich, so einen Status zu haben? Hat sich die Situation im Laufe der Jahre verändert?

Ja, damals am Anfang war ich wahrscheinlich schon der große Held. Heute kennen immer mehr Menschen unseren Sport, sie schauen ihn auf YouTube oder im Fernsehen usw. Ich glaube auch, dass es heutzutage immer mehr gute Eishockey-Spieler gibt, die mitmachen möchten. Am Anfang war ich noch so jung! Ich bin schon sehr lange dabei. Ich fahre Red Bull Crashed Ice nun seit acht Jahren – damals war ich natürlich etwas schneller (lacht)!

Red Bull Crashed Ice ist mit keiner anderen Sportart zu vergleichen. Wie bereitest du dich auf ein Rennen vor? Absolvierst du ein besonderes Training?

Es ist schwierig, sich gezielt vorzubereiten. Ich bin einfach viel am Eis unterwegs – drei- bis viermal pro Woche, manchmal etwas öfter. Ehrlich gesagt ist die psychische Vorbereitung aber noch wichtiger – Red Bull Crashed Ice ist wirklich komplett einzigartig.

Gibt es ein bestimmtes Geheimnis hinter deinem Erfolg? Was ist deiner Meinung nach der wichtigste Faktor?

Es kommt ganz darauf an. Bei manchen Kursen muss man vor allen schnell aus dem Start kommen – wenn man nur der drittschnellste Athlet ist, hat man mehr oder weniger keine Chance auf den Sieg. Bei anderen Strecken wiederum ist es weniger wichtig, wie schnell man am Anfang ist – auch der dritt- oder sogar viertschnellste Athlet kann sich am Ende den Sieg im Lauf holen.

Du hast bereits sechs Rennen in Folge gewonnen. Manche würden vielleicht behaupten, du hättest nichts mehr zu gewinnen aber alles zu verlieren.

Früher dachte ich immer „Wenn ich nicht siegen kann, interessiert mich Platz vier sowieso nicht“, doch heute bin ich anders eingestellt. Mein Ziel ist der Einzug ins Finale. Wenn ich das schaffe, bin ich glücklich. Schließlich kann im Finale alles passieren – man weiß ja nie!

Die Athleten aus Finnland sind fast ohne Ausnahme sehr stark, und die meisten deiner größten Rivalen auf dem Eis kommen aus dem hohen Norden. Was ist das Geheimnis der Finnen?

Also, erstens sind sie sehr, sehr gute Eishockey-Spieler. Sie haben alle in der höchsten Liga gespielt: Prag-Sieger Miikka Jouhkimainen spielt heute in der ersten finnischen Liga, und er ist erst 19 oder 20 Jahre alt. Arttu Pihlainen ist wahrscheinlich auch erst etwa 20 Jahre alt. Sie fahren also wirklich gut, und sie können auch super Skifahren!

Verwendest du besondere Schlittschuhe beim Crashed Ice?

Nein, meine Schuhe sind keine besonderen – sie sind einfach normal für meine Sportart, das Bandy [ein eishockeyartiges Spiel, das sich vor allem in Schweden großer Beliebtheit erfreut]. Meine Kufen sind etwas länger und haben einen Flachschliff; die Eishockey-Jungs bevorzugen Kufen mit einem Hohlschliff. Beim Gleiten bin ich also vielleicht etwas schneller, aber dafür sind die Anderen in den Kurven sicherer. Vor zwei Jahren in Kanada meinte ein Typ, meine Schuhe würden mir einen unfairen Vorteil geben. Ich habe ihm angeboten, eine Runde durch den Kurs mit meinen Schuhen zu fahren. Er selber wollte nicht, aber sein Kollege ist gefahren und sagte danach: „Mit den Schuhen fahre ich den Kurs nie wieder runter! Das war ja das Schlimmste, das ich jemals erlebt habe!“ Sie sind also ganz einfach normale Schlittschuhe für meine Sportart.

Als Zuschauer live vor Ort oder auch im Fernsehen sieht Red Bull Crashed Ice extrem gefährlich aus. Ganz ehrlich: Wie schwierig ist Red Bull Crashed Ice für dich?

Es schaut schon einfach wahnsinnig aus, und es kommen viele Menschen zu mir und sagen “Wie machst du das bloß? Das ist doch der pure Wahnsinn!” In Wirklichkeit ist alles aber halb so schlimm. Ich fahre seit ich zweieinhalb Jahre alt bin mit den Schlittschuhen. Im Winter bin ich jeden Tag gefahren, weil unser Haus nur fünf Minuten entfernt vom Eislaufplatz lag. Eislaufen ist für mich wie Spazieren. Wenn ich sehe wie Skifahrer oder Snowboarder Backflips usw. springen, ist das für mich der Wahnsinn – für sie ist es aber nichts Besonderes.

Immerhin, du musst dir im Laufe der Jahre ziemlich heftig wehgetan haben. Was war deine schlimmste Verletzung?

Die schlimmste muss in Prag gewesen sein, 2005 glaube ich. Beim Training vor dem Rennen habe ich die Jungs gefragt, ob ich die Strecke noch einmal runterfahren darf. Eigentlich wäre sie bereits geschlossen gewesen, aber ich habe sie überredet. Ich stand also im Startbereich und habe mir gedacht „Jetzt muss ich aber wirklich alles geben.“ Ich bin also losgefahren, aber gleich nach zwei Schritten habe ich gespürt, dass etwas nicht stimmt. Anfangs habe ich gedacht, ich hätte einen Muskel im Oberschenkel etwas überdehnt, also bin ich die Strecke noch gefahren, obwohl ich ziemliche Schmerzen hatte. Am Tag des Rennens bin ich aufgewacht, und mein Oberschenkel hat so ausgeschaut, als würde eine halbe Orange da rauswachsen! Ich wollte aber nicht schlappmachen, also bin ich das Rennen gefahren. Im Finale war der Adrenalin-Kick dann so groß, dass ich gar keine Schmerzen empfunden habe. Da war ich total fokussiert und habe mir einfach gedacht: „Jetzt muss ich aber Gas geben.“ Das Rennen habe ich zwar gewonnen, aber dann bin dann nach Hause gefahren und zum Arzt gegangen. Er sagte mir, ich hätte einen Muskelriss vom Knie weg durch den ganzen Oberschenkel. Ich bin gleich operiert worden, und heute habe ich noch eine 30 cm lange Narbe. Das ist aber wahrscheinlich meine einzige schwere Verletzung bis jetzt.

 

 

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