Roman Hagara (c)flohagena.com

Doppel-Olympiasieger Roman Hagara im Interview über kleine Schritte, große Boote und Harakiri-Aktionen auf hoher See.

Er ist gemeinsam mit seinem Partner Hans-Peter Steinacher der erfolgreichste Sommersportler Österreichs. Doppelter Olympiasieger im Tornado-Segeln (2000, 2004), ein WM- und vier EM-Titel. Seit dem Vorjahr stellt sich Roman Hagara (43) einer völlig neuen Herausforderung. Der Wiener stieg, natürlich im Duett mit Steinacher, in die Big-Boat-Klasse um. 20 Meter hohe und 13 Meter lange Katamarane sind sein neues Fortbewegungsmittel.

Roman, nach zwei von drei Bewerben der Extreme Sailing Series Asia: Ist die Umstellung auf das Big Boat bereits abgeschlossen?
Nein, wir testen ja noch. Beim letzten Asien-Rennen (Anm.: Oman, 1. bis 5. Februar) geht mit uns erstmals der Italiener Gabriele Olivo an den Start. Für ihn kommt erst jetzt die Einlernphase. Insgesamt macht unser Team aber große Fortschritte, auch wenn die Feinabstimmung auf den einzelnen Positionen noch fehlt.

Wo liegen die größten Unterschiede zur Tornado-Klasse?
In einem Vierer-Team muss man viel vorsichtiger agieren als zu zweit. Das Boot ist sensibler – ein Fehler, und du liegst im Wasser. Die Zug- und Windkräfte wirken hier extremer, weil einfach alles größer ist. Deshalb hatten wir in den ersten beiden Rennen auch schon einige kritische Situationen. Aber die helfen uns, die Grenzen auszuloten.

Ist es unter den Seglern üblich, in eine größere Bootsklasse zu wechseln?
Ja, viele machen das so. Einige Länder unterstützen sogar ihre Fahrer der olympischen Klassen mit Ausbildungen für den Hochseebereich, also für die großen Schiffe. In Österreich ist das nicht üblich, weil uns schlicht und einfach der Meerzugang fehlt. Hier verlegt man sich auf die olympischen Disziplinen. Alles, was darüber hinausgeht, erfordert Eigeninitiative.

Stimmt es, dass in den größeren Klassen auch die besseren Segler daheim sind?
Sie haben auf jeden Fall eine breitere Ausbildung. Die Manöver auf einem Zehn-Mann-Boot sind klarerweise anders als auf einem Tornado ... Aber als Profi stellt man sich relativ schnell um - sofern man die richtigen Leute um sich hat.

Für den sechsten Rang bei eurem Big Boat-Debüt in Hongkong habt ihr von der Konkurrenz viel Lob geerntet. Daraufhin folgte mit Platz zwei in Singapur ein absolutes Top-Resultat. Wie nah seid ihr bereits an der Weltspitze dran?
Das wird sich erst zeigen. In Asien waren sechs Teams am Start, da kann man den einen oder anderen Fehler noch korrigieren. Bei den Rennen in Europa, ab April, werden bereits zehn Teams dabei sein. Wenn dir da ein Missgeschick passiert, kannst du das Rennen praktisch schon abhaken. Im Kampf um die Spitzenplätze wird es daher noch enger zugehen.

Welche zwei Crewmitglieder werden in Europa das Duo Hagara/Steinacher ergänzen?
Mit David Vera (ESP), Andrew MacPherson (AUS) und dem Österreicher Gerd Habermüller hast du ja gemeinsam mit Hans-Peter Steinacher bereits drei Segler angelernt … David Vera und Gabriele Olivo wären zurzeit meine Wunschkandidaten. Beide waren 2009 beim Volvo Ocean Race dabei. Aber zuerst muss abgeklärt werden, inwieweit ein Engagement für sie selbst in Frage kommt. Nach dem Oman-Bewerb soll das Team jedoch fix sein.

In Singapur hat euch zwischenzeitlich das „Team China“ mit einem – wie du gemeint hast – „unglaublich gefährlichen Manöver“ vom ersten auf den letzten Rang zurückgeworfen. Was war da genau los?
Es gibt Wegerechtregeln, die aber nicht immer eingehalten werden. Bei diesem Manöver hat uns das gegnerische Team das Wegerecht einfach genommen. Das wollten wir uns natürlich nicht gefallen lassen und haben auf unseren Vorrang gepocht. Das Ergebnis war eine Beinahe-Kollision – gebracht hat das keinem etwas. Beide Teams sind im letzten Moment ausgewichen und haben so wertvolle Zeit verloren.

Woraus ergibt sich dieser schmale Grad zwischen noch fair und bereits unfair?
Ein Fehler bedeutet ein Manöver mehr. Um das zu vermeiden, gehen viele Teams hart an die Grenze des Erlaubten und nehmen einen Protest in Kauf. Und wenn sie Glück haben, geht er nicht durch, und sie behalten die Punkte ...

Von den bösen zu den guten Jungs: Das „Team Oman Sail“ hat in Hongkong und Singapur triumphiert. Was macht sie derzeit so dominant?
Da steckt eine Menge Geld dahinter. Oman will im Segeln unbedingt Fuß fassen und hat ein eigenes Trainingszentrum eingerichtet, wo die Jungs unter besten Bedingungen trainieren können. Sie sind als Team bestens eingespielt und haben auch das beste Umfeld.

www.hagara-steinacher.at

 


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