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Orlando Duque ist der König der Klippenspringer. Im Interview spricht der Kolumbianer über sein turbulentes Leben und seine Zeit als Stuntman – in Österreich.

Schon als Kind wollte Orlando Duque nur eines: aus luftigen Höhen so ästhetisch wie möglich ins Wasser hüpfen. 1992 qualifizierte er es als Turmspringer für die Olympischen Spiele in Barcelona, durfte aufgrund finanzieller Schwierigkeiten des Verbands aber nicht teilnehmen. Vielleicht kann man dies als glückliche Fügung des Schicksals deuten. Duque begann nämlich nach diesem Tiefpunkt seine Karriere als Klippenspringer. Und erfand den Sport neu. Heute hat der 35-Jährige neun Weltmeistertitel zu Buche stehen.

Du springst von über 20 Meter hohen Klippen, als ob es das Einfachste der Welt wäre. Machst du auch auf Schnee eine gute Figur?
Skifahren kann ich ganz gut, da ich zwischen 1997 und 1999 eine Zeit lang in Österreich gelebt habe – da kommt man fast zwangsweise mit Wintersport in Kontakt. Letzten Samstag war ich übrigens in Kitzbühel .Die Mausefalle bin ich nicht gefahren, das hätte wohl in einem Desaster geendet (Lacht).

Wie kommt man zu einem Sport wie Cliff Diving?
Als ich klein war, wollte ich Polizist oder Feuerwehrmann werden. Das wünscht sich jeder Junge in dem Alter. Ich habe dann mit Zehn mit dem Turmspringen begonnen, damals noch am 3-Meter-Brett. Für mich war damals eigentlich sofort klar, dass ich irgendetwas in diese Richtung machen will. Nach meinem Studium bin ich zum ersten Mal in Kontakt mit Klippenspringen gekommen. Ich war sofort infiziert.

Du bist also eine echte Wasserratte.
Ich liebe das Wasser. Es ist nicht nur das Klippenspringen: Ich gehe oft Bodysurfen, manchmal auch Kanu fahren. Vor kurzem habe ich mit Speerfischen begonnen. Ganz schön schwierig, dabei Erfolg zu haben. Ist aber gut für die Konzentration.

Du hast in deinem Leben verschiedenste Dinge ausprobiert. Welcher Beruf wäre ein absoluter Alptraum für dich?
Ein Bürojob. An der Uni musste ich den ganzen Tag in einem Klassenzimmer oder vor einem Computer sitzen – dafür bin ich einfach nicht geschaffen. Ich brauche die frische Luft, brauche Sport, um mich wohl zu fühlen.

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Stimmt es, dass du vor einigen Jahren als Stuntman im Safaripark Gänserndorf (Österreich) gearbeitet hast?

Das war eine sehr spannende und prägende Zeit. Wir haben in einem Tierpark in der Nähe von Wien gelebt – im wahrsten Sinn des Wortes. Untergebracht waren wir in Containern, unsere Nachbarn waren die Seelöwen. Die haben uns jeden Morgen eher unsanft aus dem Schlaf geholt.

Denkst du heute noch an diese Zeit zurück?
Viele Kollegen von damals sind heute noch meine Freunde. Für mich war es einfach eine sehr wichtige Erfahrung in meinem Leben. Vor allem das Gemeinschaftsgefühl in einem bunt zusammen gewürfelten Haufen werde ich nie vergessen.

Wie kommst du mit der österreichischen Mentalität zurecht?
Ganz ehrlich: Wir Kolumbianer sind einfach nicht so organisiert wie die Österreicher und Deutschen. Und wir kommen immer zu spät. Wenn man sich mit euch einen Interviewtermin um 13:45 Uhr ausmacht, dann seid ihr pünktlich auf die Sekunde da, während ich noch im Auto sitze.
Nein, im Ernst: Ich habe sehr viel von dieser Mentalität gelernt, vor allem Zielstrebigkeit. Das hat mir in meiner Karriere und auch privat schon oft geholfen. Die kolumbianische Lebensfreude werde ich aber nie aufgeben.

Du hast lange Zeit ein Nomadenleben geführt, bist auch heute noch während der Saison durchgehend unterwegs. Was treibt dich ständig von einem Ort zum Nächsten?
Reisen ist gut, weil man dadurch reifer wird. Für mich gibt es eine wichtige Grundregel: Man muss als Gast die Sitten und Gebräuche eines Landes oder einer Kultur respektieren. Verletze niemals den Stolz eines Gastgebers!

Wie steht deine Frau zu dieser Umtriebigkeit?
Sie versteht mich, da sie mich als den Sportler Orlando Duque kennengelernt hat. Sie weiß wie ich trainiere, weiß dass ich meine Risiken genau einschätze. Es ist schon ein Vorteil wenn man jemanden hat, der einen so mag, wie man ist.

Du hast in deiner schon langen Karriere als Cliff-Diver den Sport geprägt wie kein anderer. Denkst du schon langsam an die Zeit danach?
Ja, daran denke ich oft. Ich habe diesem Sport so viel zu verdanken. Er hat mich zu der Person gemacht, die ich heute. Daher will ich, so lange es geht, dabei bleiben. Vielleicht nicht als Wettkämpfer, sondern als Mentor für junge Talente. Oder als Teil des organisatorischen Teams, das meine Erfahrungen sicher gebrauchen kann. Am Wichtigsten ist aber, dass ich an der frischen Luft arbeiten kann.

Wie wäre es mit dem Beruf Schauspieler? Im Spielfilm „9 Dives“ hast du 2005 ja schon erste Erfahrungen gesammelt
Na ja, ich hatte den Vorteil, dass es im Film um Cliff Diving und auch um meine Person ging. Daher habe ich mich im Prinzip selbst dargestellt. Schwierig wurde es dann, wenn mir jemand im Detail erklärt hat, was ich zu tun habe. Reaktionen in bestimmten Momenten anders zu spielen, als sie in Wirklichkeit aussehen würden, ist ziemlich tough. Aber wer weiß: Vielleicht passen meine Fähigkeiten ja wieder einmal in ein Drehbuch. Dann würde ich vielleicht wieder „Ja“ sagen.

Deine Konkurrenz hat sich in den letzten Jahren Schritt für Schritt an dich herangetastet. Wird die kommende Red Bull Cliff Diving-Saison 2010 die Härteste in deiner Karriere?
Ich glaube schon. Die anderen Jungs schlafen ja auch nicht und haben vor allem die Schwierigkeit ihrer Tricks gesteigert. Und es kommen einige junge Springer aus den Nationalteams nach, die sehr vielversprechend sind. Ich fühle mich aber noch immer sehr stark und kann technisch mehr als nur mithalten. Außerdem bin ich ein Wettkämpfer und freue mich auf die gesteigerte Herausforderung.

www.redbullcliffdiving.com

 


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