BMX-Pro Senad Grosic durfte als erster Athlet seine Shows in den heiligen Städten Mekka und Medina fahren. Ein Gespräch über Begegnungen bei 45 Grad und den Spirit der saudi-arabischen Skater-Szene.
Saudi-Arabien ist nicht gerade für seine florierende BMX-Szene bekannt. Wie haben die Einheimischen auf deine Shows reagiert?
Es war unpackbar! Gleich bei der ersten Show in der Red Sea Mall in Jeddah sind die 3.000 Zuseher dort durchgedreht. Die Leute haben sich mit mir fotografieren lassen und sich Autogramme geholt. Ich war auf jeden Fall sehr überrascht, wie die Einheimischen abgegangen sind.
Worauf führst du diese Reaktionen zurück?
Ich denke, viele Leute dort haben zum ersten Mal eine BMX-Show gesehen. Von daher ist es sicher etwas Besonderes für sie. In Österreich würden die Zuseher wohl nicht mehr so auszucken, da sieht man BMX-Shows ja auch öfters.
Jeddah gilt für saudi-arabische Verhältnisse als liberale Stadt. Haben die Leute in den heiligen Städten Mekka und Medina andere Reaktionen gezeigt?
Nein, überhaupt nicht, das war ja die Riesenüberraschung für mich. In Mekka, einer sehr religiösen Stadt, haben wir zum Beispiel im Einkaufszentrum bei meiner Show Musik spielen dürfen, was normalerweise dort nicht vorkommt.
Welche Musik war das?
Soweit ich mich erinnern kann, war es irgendein Techno-Remix.
Welche Eindrücke hast du von der der Pilgerstadt Mekka mit nach Hause genommen?
Viele Leute, die ich dort kennengelernt habe, haben ihr ganzes Leben lang gespart, um sich die Pilgerreise leisten zu können. Man hat schon gemerkt, dass es für sie ein besonderer Ort ist. Die große Moschee in Mekka ist ein riesengroßes, superschönes Gebäude. Man fühlt sich schon besonders, wenn man auf so einem heiligen Platz steht. Solche Orte haben ihre ganz eigene Aura.
Haben die Jugendlichen bei deinen Auftritten anders reagiert als Erwachsene oder ältere Menschen?
Ich glaube, dass die Jugendlichen in Saudi-Arabien genauso sind, wie die Jugendlichen überall anders auch. Vielleicht sind sie, was den Sport betrifft, sogar noch motivierter. Es gibt dort nicht so viele Möglichkeiten, beispielsweise BMX auszuüben. Aber die Kids tun es natürlich trotzdem.
„Die Kids in Saudi-Arabien kannten mich von YouTube“ - Senad Grosic
Deine beste Show?
Garantiert der Auftritt im Skatepark von Medina. Das war für mich die beste und auch die bedeutendste Show. Dort waren Jugendliche, die sich wirklich ausgekannt haben, weil sie selber diesen Sport lieben. Die wollten mich gar nicht gehen lassen. Normalerweise haben meine Shows immer 20 Minuten gedauert. In Medina bin ich eine Dreiviertelstunde gefahren. Das ist dann so abgelaufen: 20 Minuten Show, Gebetszeit, dann wieder 25 Minuten.
Das heißt, es gibt auch in Saudi-Arabien eine BMX-Szene?
Ja, das hat mich positiv überrascht. Du musst dir vorstellen: Ich bin da hingekommen, irgendwo nach Saudi-Arabien, und die Kids haben meine Youtube-Videos gekannt. Die Show im Skatepark in Medina würde ich immer wieder fahren, egal wie müde ich bin.
Wie sieht der sportliche Alltag dieser Kids aus?
Die Szene dort ist noch immer so zusammengewachsen, wie sie es früher bei uns war, bevor das ganze zu einem Massenphänomen geworden ist. Die halten zusammen, müssen sich alles aus dem Internet bestellen und werden nicht wirklich akzeptiert. Die anderen Leute und die Polizei finden, dass das nur Spaß ist und eigentlich unnütz. Es ist schon cool, dass die Jugendlichen dort an ihre Sache glauben und einfach weitermachen. Für diese Kids zu fahren, war eine große Freude.
Ist dir eine Begegnung mit Einheimischen besonders in Erinnerung geblieben?
Ja, ein Typ hat bei nach einer Show in Mekka seine Stirn an meine Stirn gedrückt und seine Nase an meine Nase. Ich hab mich zuerst erschreckt und gedacht, was will der jetzt. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass das dort die größte Ehrerbietung ist und normalerweise nur innerhalb von Familien passiert.
Wie bist du mit den Temperaturen zurecht gekommen? Ich kann mir vorstellen, dass es in Saudi-Arabien heiß war.
Und wie! Es hatte dort zwischen 35 und 45 Grad und ich musste die Shows ja immer allein fahren, teilweise in der strahlenden Sonne und jeweils für 20 Minuten. Da kannst du dir auch keine großartigen Stehpausen erlauben, weil die Leute dort so abgehen. Vielen Dank an DTC Thalgau (das Diagnostics & Training Center Thalgau, der sportliche Stützpunkt für Red Bull-Athleten, Anm.). Ohne euch hätte ich das nie durchgehalten. Ich hab jedenfalls eine ordentliche Bräune mit nach Hause genommen.
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