Der Torero spricht

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Hier spricht Deutschlands größte Stürmer-Hoffnung über Lob und Egoismus, über Liebe und Lifestyle – und den Menschen, der ihn am stärksten prägte.

Mario, macht dich Lob verlegen?
Das kommt ganz drauf an, wer mich lobt. Wenn's läuft, werde ich täglich gelobt. Und ich werde gehasst, wenn's nicht läuft. Man muss also immer auf den Absender achten. Aber dieses Lob von Jogi Löw, von meinem Vereinstrainer, von meiner Familie oder meiner Freundin, das nehme ich genauso ernst wie Kritik.

Mario, was erdet dich?
Ich muss mich nicht erden. Das entspricht nicht meinem Naturell. Ich bin nur auf dem Platz aggressiv, privat bin ich sehr ruhig. Ich hebe nicht ab.

Und wenn doch?

Dann würden mich meine Eltern oder meine Freundin ganz schnell wieder zur Vernunft bringen.

Welcher Mensch hat dich am stärksten geprägt?
Meine Eltern, vor allem mein Vater. Du glaubst gar nicht, wie viele Kilometer mein Vater mit mir gemacht hat. Am Wochenende zu den Spielen, auf dem Platz. Er war ja auch mein erster Trainer. Und er ist durch und durch ein Fußball-Verrückter.

Und was hast du von ihm gelernt?
Mein Vater kam mit 11 als Gastarbeiterkind nach Deutschland. Er ist Handwerker und hat mit nichts begonnen. Heute hat er einen kleinen Malerei-Betrieb, er hat ein schönes Haus in Schwaben und ein schönes Haus in Spanien. Papa hat mir gezeigt, was man mit Arbeit erreichen kann. Und er hat mir Disziplin beigebracht. Er hat gesagt: Zuerst das Abitur, dann kannst du noch immer Sport studieren, wenn es mit der Fußballer-Karriere nichts wird.

Wie sehr haben der Fußball und der Erfolg dich verändert?
Natürlich trete ich heute selbstbewusster auf. Mit 18 war ich froh, bei Stuttgart dabei sein zu dürfen. Da verhältst du dich eher ruhig und orientierst dich an den anderen. Heute bin ich bei Stuttgart Führungsspieler. Mir ist bewusst, was ich kann und ich übernehme auch die Verantwortung.

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Wie wichtig ist Selbstvertrauen, um im Sport an die Spitze zu kommen?
Ich weiß, dass ich super Voraussetzungen für den Profisport habe. Ich weiß, dass nicht jeder so einen Körper hat und mit beiden Beinen schießen kann. Du brauchst dieses Selbstvertrauen, diesen gesunden Optimismus, um weiter zu kommen. Talente gibt es genug, aber viele scheitern, weil es im Kopf nicht passt.

Es gab da diese Szene im März 2007 im Spiel gegen Wolfsburg...
...ja, ja. Ich lag verletzt am Boden, unserer Vereinsarzt hat mir gleich gesagt, dass da mehr kaputt ist im Knie. Es war ein Bänderriss. Da kamen mir die Emotionen hoch. Es lief gerade super und es war meine erste Verletzung. Da habe ich im Zorn gegen den Medizinkoffer geschlagen und mir auch noch die Hand gebrochen.

Was hast du daraus gelernt?
Das ich beim nächsten Mal woanders hinschlage, auf etwas Weicheres.

Bist du ein Draufgänger oder ein Kopfmensch?
Ein bisschen von beidem. Das brauchst du auch, um als Fußballer Erfolg zu haben. Du musst auf dem Feld manchmal aggressiv sein und auch Signale setzen. Du musst aber auch ruhig bleiben, wenn dich ein gegnerischer Verteidiger ständig provoziert. Diese Balance ist extrem wichtig.

Wie sensibel darf ein Stürmer sein?
Und wie egoistisch muss er sein. Wir sind ja auch nur Menschen, aber zu viel Sensibilität ist für einen Stürmer nicht gut. Es gibt Stürmer, die spielen nicht egoistisch, aber sie denken so. Ich spiele oft egoistisch, aber ich denke nie so. Ich denke immer an die Mannschaft, auch wenn ich mal alleine durchgehe. Das ist für die Mitspieler oft schwierig zu verstehen. Aber ich verstehe die Verteidiger ja auch nicht immer.

Ist Intelligenz der wichtigste Karriere-Faktor im Fußball?
Ich hab mal gelesen, dass Fußballspieler in einem Match so viel denken wie ein Schachspieler in einer Partie. So blöd können wir Fußballer also nicht sein. Natürlich brauchst du in unserem Sport Intelligenz. Du musst die Taktik verstehen und umsetzen, du musst deine eigenen Laufwege und jene deiner Mitspieler speichern. Ohne Hirn geht das nicht.

Machen Krisen stärker?
Menschlich auf alle Fälle. Ich hab das ja letzten Sommer selbst erlebt.

Du meinst deinen Team-Auftritt bei der EURO?
Ja. Da hab ich ausgerechnet im Spiel gegen Österreich einen versemmelt und plötzlich ist es losgegangen. Auf einmal war ich nicht mehr Everybodys Darling, auf einmal haben all jene, die mich vorher in den Himmel gelobt haben, gesagt: Der trifft eh nichts. Ich hab das ja schon vorher gewusst, dass so eine Phase einmal kommen kann. Aber so schnell und so heftig - das hat mich schon ein wenig schockiert. Die Meinung der Leute kannst du halt nicht beeinflussen - außer vielleicht mit Leistung.

Du bist Doppelstaatsbürger, Deutscher und Spanier. Wo fühlst du dich zuhause?
Ich bin Fußball-Deutscher und Herz-Spanier, obwohl: Mein Herz gehört auch Deutschland. Ich mag den Strand und die Tapas genauso wie ich Deutschland mag. Es ist wunderschön hier, sauber, die Menschen sind freundlich und zuverlässig. Von meinem spanischen Vater hab ich das Temperament und die Bescheidenheit, von meiner schwäbischen Mutter die Bodenständigkeit. Ich bin beides und ich genieße dieses halb-halb. Aber ich bin auch stolz, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen.

Was kommt dir spanisch an dir vor?
"Ha... vielleicht der Zorn, die Aggressivität, die ich auf dem Platz manchmal auslebe."

Warum ahmst du nach deinen Toren eigentlich einen Torero nach?
Das war eine spontane Idee, 2007 in der Mannschaftssitzung vor dem Spiel gegen Werder Bremen. Wir haben bei Stuttgart eine Stadionzeitung, da kommt jeder mal mit einer bestimmten Pose aufs Cover. Ich hab den Torero gemacht, schließlich ist mein Opa Stierkampf-Fan. Und dann hab ich vorm Anpfiff gesagt: Wenn ich heute einen rein hau, dann lass ich den Torero raus.Du hast einen rein gehaut......ja, in der 80. Minute. Und dann hab ich in den nächsten Spielen unheimlich oft getroffen. Seither ist der Torero mein Glücksbringer, ich bin da ein bisschen abergläubisch.

Apropos Stiere: Du bist jetzt selber Bulle...
Ja, ich hab die Welt von Red Bull schon immer bewundert, das mein ich ganz ernst. All die Leute, die diese verrückten Sachen machen, die so viel Risiko eingehen. Eigentlich sollten die so viel verdienen wie ein Fußballer. Zum Beispiel die Piloten beim Red Bull Air Race finde ich faszinierend! Das Rennen schaue ich mir total gern an.

Kennst du Red Bull-Athleten auch persönlich?
Natürlich, den Triathlon-Weltmeister Daniel Unger habe ich neulich bei uns in der Lounge kennengelernt und Sabrina Mockenhaupt. Den Sebastian Vettel kenn ich nur aus dem Fernsehen.

Und die Dose?
Ich trinke eigentlich vor jedem Spiel und jedem Training ein Red Bull. Das puscht mich auf - vor allem in den Phasen, in denen ich ein wenig down bin.

www.mario-gomez.de

 

 


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