defour_stahlberg Foto: Red Bull Photofiles/Stahlberg

Standard Lüttichs Steven Defour (21) ist Belgiens größtes Fußball-Talent. Sogar Alex Ferguson schreibt ihm Briefe. Heute will er Salzburg aus der Europa League kicken. Im Interview erklärt er wie.

Hand aufs Herz: Wie ist es dir letzten Donnerstag ergangen, als Salzburg im Stade Maurice Dufrasne zur Halbzeit 2:0 geführt hat?
Es war ein richtiger Schock. Sie haben uns eiskalt erwischt, und wenn du nach vier Minuten gleich ein Tor bekommst, ist das natürlich ein Wahnsinn. Dann auch noch eines kurz vor der Pause, und fertig war die totale Verunsicherung.

Was hat sich da in der Kabine abgespielt?
Unser Coach hat natürlich eine recht laute Ansprache gehalten und uns gefragt, ob wir uns wirklich diese Schmach zufügen lassen wollen. Das war eigentlich genug, um noch mal mit voller Motivation in die zweite Halbzeit zu gehen. Als wir dann auf das Feld kamen, haben unsere Fans eine so tolle Stimmung gemacht, dass wir einfach Vollgas geben mussten.

Was war ausschlaggebend, um diese Partie noch einmal drehen zu können?
Wir wussten, dass wir zurückkommen können, wenn uns ein Treffer gelingt. Nach dem Anschlusstreffer von Axel Witsel hatten wir wieder die Extraportion Motivation und merkten, dass die Salzburger unsicher wurden. Der Rest war ein Wahnsinn, ich habe selten eine dermaßen spannende Partie erlebt.

Welcher der Salzburger Spieler ist dir in Lüttich besonders aufgefallen?
Marc Janko dürfte man nach seinen beiden Toren nun auch in ganz Belgien kennen. Er hat einen unwiderstehlichen Torriecher und ist im Strafraum extrem gefährlich. Aber auch Somen Tchoyi auf der rechten Außenbahn ist sehr stark. Er ist nur sehr schwer vom Ball zu trennen und beschäftigt bei jedem Angriff mindestens zwei Gegenspieler. Im Mittelfeld ist mir Christoph Leitgeb positiv aufgefallen. Er ist laufstark und scheint sehr viel Gefühl im Fuß zu haben.

Apropos Fuß: Dein Bein war gebrochen, und du musstest mehrere Monate pausieren. Ist die Verletzung ausgeheilt?
Leider noch nicht ganz. Vor allem an den Tagen nach den Matches habe ich immer noch Schmerzen. Unser Teamarzt hat jedoch gemeint, dass das normal ist und ich das Bein noch länger spüren werde. Aber während der Partien geht es, da bin ich vollgepumpt mit Adrenalin und spüre keine Schmerzen.

Als Sir Alex Ferguson von deiner Verletzung erfahren hat, schrieb er dir persönlich einen Brief, um dir gute Besserung zu wünschen. Auch andere europäische Spitzenvereine zeigen Interesse an dir. Wie lange wirst du noch in Belgien bleiben?
Ja, über den Brief habe ich mich sehr gefreut, und ich fühlte mich sehr geehrt. Aber alles andere sind Spekulationen, zu denen ich noch nichts sagen kann. Ich habe bei Lüttich einen Vertrag bis 2013, wir spielen in der Europa League, an mehr denke ich derzeit gar nicht. Für mich ist es nur wichtig, wieder zu 100 Prozent fit zu werden und meine alte Form zu erreichen. Was dann kommt, steht noch in den Sternen.

Wie siehst du heute eure Chancen? Wer wird in das Achtelfinale aufsteigen?
Die Chancen stehen 50:50. Ich habe Salzburg schon einmal in der Meisterschaft hier gesehen und war nicht unbeeindruckt. Diesmal haben sie den Heimvorteil und ihre Fans im Rücken. Unser Ziel ist es, ein schnelles Tor zu erzielen, dann hat Red Bull jede Menge Druck. Auf Marc Janko werden wir besonders Acht geben, damit er uns nicht erneut ein paar Dinger reinhaut. Ich wurde auch mehrfach auf den Kunstrasen angesprochen, doch der sollte kein Problem sein, weil wir in unserer Akademie auch einen haben. Ich tippe natürlich auf Lüttich. Wir werden 2:0 gewinnen und damit den Aufstieg fixieren.

UEFA Europa League Sechzehntelfinale: FC Red Bull Salzburg – Standard Lüttich; 21.05 Uhr, Red Bull Arena Salzburg.
Hinspiel: 2:3 (2:0).

 

www.redbulls.com


Kommentare

    Einen Kommentar hinzufügen

    * Alle Felder müssen ausgefüllt werden
    Es sind nur 2000 Zeichen erlaubt :
    Gib das Word auf der linken Seite ein und klicke auf "Kommentar abschicken".

    Artikel Details