Nur mehr wenige Tage bis zum Geheimkonzert-Tourstart von Culcha Candela am Red Bull Brandwagen. Im zweiten Teil unseres Interviews erzählt DJ Chino con Estilo über Multikulturelles, Studio-Alltag und Fans in Lateinamerika.
Klar, wir haben zu dem Thema etwas zu sagen und leben es ja jeden Tag. Wir wollen aber nicht mit dem pädagogischen Zeigefinger auf der Bühne stehen. Es gibt viele Projekte, bei denen wir uns engagieren, wie neulich die Gründung einer Schule in Uganda. Wir bekommen hier viele Anfragen. Und wenn ein Projekt stimmt, sind wir voll dabei. Für uns ist das Thema halt eine Selbstverständlichkeit. Textlich steht bei uns aber der Spaß im Vordergrund, deshalb greifen wir diese Dinge kaum auf. Wir wollen mehr Party mit Hirn.
Nein, im Studio sind wir meistens alle zusammen. Wir haben einen Produzenten unseres Vertrauens, „Butch“. Der produziert schon immer unsere Beats, das passt am besten. Einige von uns basteln auch zuhause an Tunes herum, bringen die dann mit und er veredelt sie, weil wir das nicht so drauf haben, dass das dann wirklich spielbar ist.
Ich komme ganz klar vom HipHop und Rap. Irgendwann Anfang der Neunziger hab ich begonnen in Clubs aufzulegen. Das war damals die Blüte von HipHop. Ich war aber immer offen für alles, was da kam und kommt. Meiner Meinung ist Dancehall und Reggae die beste Partymusik. Das sind einfach die besten Abende, alle Leute bewegen sich einfach geil dazu. Leider kommen wir weniger dazu, auf andere Partys zu gehen.
Am Anfang hat uns das schon sehr geschmeichtelt, aber in Wirklichkeit trifft das nicht zu. Die machen ganz klar ein super Dancehall-Ding, wir gehen das soundmäßig viel breiter an.
Bei Culcha Candela stehen die MC’s im Vordergrund, die Beats kommen vom DJ. Habt ihr einmal mit dem Gedanken gespielt, mit einer Band auf Tour zu gehen?
Ja klar, aber das ist halt extrem aufwändig. Dann sind wir mit ca. 15 Leuten auf der Bühne, das musst du dir mal vorstellen. Abgesehen vom Tour-Aufwand muss das natürlich alles geprobt und eingespielt sein. Wir hatten es vor einer Weile mal probiert und vielleicht probieren wir es in Zukunft wieder einmal, aber im Moment ist die Bühne mit uns schon voll.
Im Moment nicht, weil stimmlich decken wir fast alles ab, also ist da gar nicht mehr viel Platz. Aber wenn sich wieder einmal etwas Interessantes ergibt, sind wir dabei!
Nicht nur in ganz Europa, sondern auch in Südamerika. Da haben wir schon ein paar sehr interessante Dinge erlebt. Wir sind und waren ja viel in Lateinamerika und letzes Mal haben die Leute unsere Texte mitgesungen. Das Komische: Unsere Platte war noch gar nicht heraußen. Das ist halt ein Aspekt des Internets, weil alles heruntergeladen wird. In Südamerika ist es umgekehrt: Alle kennen die spanischen Texte von uns, die deutschen werden eben so lautmalerisch mitgesungen.
Im Oktober sind wir wieder für einige Konzerte in Lateinamerika unterwegs. Der Festival-Sommer war lang und anstrengend, deshalb war’s das dann einmal für dieses Jahr.
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