Nightlife

Crystal Cologne-VIP Kellner: „Das Allerschlimmste ist, gesiezt zu werden”

Crystal Cologne

Den Job als VIP-Kellner im Crystal Cologne macht Sebastian zum Ausgleich – zu seiner 60-Stunden-Woche als Heizungsbaumeister.

Sebastian, warum gerade Kellner sein und nichts anderes?
So ist das gar nicht: Im Hauptberuf bin ich Sanitär- und Heizungsbaumeister, mache dort in der Woche ungefähr 15 bis 20 Überstunden. Kellner im Crystal zu sein ist ein wahnsinniger Ausgleich für mich. Ich mache diesen Job auch nur deshalb, und weil er mir solchen Spaß macht. Nicht wegen des Geldes.

Zum Ausgleich eines stressigen Hauptberufs arbeitest du noch mehr?
Ja. Ich habe früher auf der Baustelle gearbeitet und sitze, seit ich den Meisterbrief habe, im Büro. Aber mir fehlt da was. Ich bin hibbeliger als alle anderen und brauche etwas, um mich abzuarbeiten und abzuschalten. Daher arbeite ich noch hier und deshalb werde ich das Crystal garantiert vermissen.

Vermissen?
Ja, ich höre Ende November hier auf. Ich bin mittlerweile zu alt für den Scheiß. Vermissen werde ich es, weil die Leute hier wirklich sehr angenehm sind. Auch mit den Gästen und gerade den Leuten im VIP-Bereich bin ich sehr gut ausgekommen. Aber ich habe mir gesagt, bevor ich den Spaß daran verliere, höre ich lieber auf. Man hört halt auf, wenn es am Schönsten ist!

Aber dann wird dir doch sicherlich wieder was fehlen!
Das wird mir sowas von fehlen! Ich arbeite ja sechs Tage die Woche, bis Samstags 16-17 Uhr, und wenn ich dann Feierabend habe, brauche ich diesen Ausgleich am Abend eigentlich. Aber nach dreizehn Jahren Diskothek sollte man irgendwann mal den Absprung suchen. Man merkt halt, dass man älter wird.

Wie alt bist du denn, wenn ich fragen darf?
31.

Warum bist, oder besser, warst du denn gerade im VIP-Bereich Kellner?
Ich war ja schon fast alles. Angefangen habe ich ganz unten, als Gläsersammler. Dann wurde ich irgendwann Kellner, dann stand ich mal hinter der Theke, bis ich zum Thekenchef befördert wurde. Zwischendurch habe ich ein Jahr Pause gemacht, in dem ich aber ganz stark gemerkt habe, dass mir was fehlt. Daraufhin bin ich wieder eingestiegen und habe bei der Bewerbung zwei Frauen mit SOLCHEN Vorzügen ausgestochen. Seitdem mache ich nur noch VIP, weil die Leute irgendwie besonders gut auf mich klarkommen. Mein alter Chef hat mal zu mir gesagt: „Du bist der Clown für die, aber nicht negativ, sondern positiv gemeint. Die wissen genau, dass sie mit dir Spaß haben können, mit dir trinken können und du sie am Ende sogar alle unter den Tisch trinkst. Aber du lässt dir nur bis zu einer gewissen Grenze etwas gefallen.“ Dadurch habe ich halt mehr Umsatz gemacht als andere VIP-Leute.

Würdest du auch als Gast in den VIP-Bereich gehen?
Ja, habe ich schon oft gemacht. Wenn ich feiern gehe und mir eine Flasche hole, möchte ich die auch trinken können, ohne dass da 30 Leute um mich herum stehen. Auf der anderen Seite möchte ich aber auch aufstehen können, ohne auf die Flasche aufpassen zu müssen. Und ich will den Platz haben, um feiern zu können. Denn wenn ich feiere, bin ich schlimmer als alle da draußen zusammen! (Lacht)

Gibt es keine nervigen Ausrutscher, wenn alle so abgehen, wie sie gerade möchten?
Man sollte sich nicht so benehmen, wie man sich nicht mal Zuhause benehmen würde. Zum Beispiel nicht mit Schuhen auf den Sofas oder den Tischen tanzen. Ich frage die dann immer: „Machst du das auch Zuhause?“, und die entgegnen mir: „Ja, hast ja Recht.“, und steigen runter. Wenn sie die Schuhe ausziehen würden, hätte ich damit wiederum kein Problem.

Aber freundlich sind sie dann alle?
Ja, alle. Auch wenn Leute da sind, die etwas besser betucht sind, und meinen, sie müssten das unbedingt zeigen, benehmen sie sich trotzdem. Ansonsten würde ich den Job auch nicht machen. Würde ich nur Assis da haben, könnte ich das glaube ich nicht. Das würde mir keinen Spaß machen. So kann ich den Job allerdings jedem empfehlen.

Nichtsdestotrotz bist du doch bestimmt auch schon einigen Idioten begegnet. Was war denn die übelste Beleidigung, die man dir an den Kopf geworfen hat?
Als man mich gesiezt hat. Ansonsten gab es zwar auch Diskrepanzen, aber dadurch, dass die VIP-Gäste sich meistens untereinander kennen und mich kennen und mögen, wurde das automatisch geregelt. Aber das Allerschlimmste ist meiner Meinung nach, gesiezt zu werden. Weil das so klingt wie: „Du bist alt, was machst du noch hier?“

Hast du schon mal jemanden das Abendkleid versaut?
Oh ja! Ich bin mit einem vollen Tablett zu einem Tisch gelaufen, wurde angestoßen, und konnte es nicht verhindern, dass das Tablett sich über einer Dame entleerte. Ihr Kleid war komplett hinüber, aber viel mehr als entschuldigen kann man sich in dem Moment nicht. Wenigstens konnte ich dann noch dafür sorgen, dass derjenige, der mich angeschubst hatte, die Reinigung bezahlt hat!

Immerhin!
Das gehört sich einfach. Wenn ich Schuld gewesen wäre, hätte ich definitiv die Reinigung beglichen. So hat mir meine Mama das beigebracht. War ich aber nicht, ich konnte absolut nichts dafür. Trotzdem habe ich an dem Abend noch ein paar Kurze ausgegeben, damit sich die Gemüter beruhigen. Und am Ende hatten die Beiden dann sogar noch ordentlich Spaß miteinander.


Mehr Infos und Interviews rund um das Crystal Cologne

 


Kommentare

    Einen Kommentar hinzufügen

    * Alle Felder müssen ausgefüllt werden
    Es sind nur 2000 Zeichen erlaubt :
    Gib das Word auf der linken Seite ein und klicke auf "Kommentar abschicken".

    Artikel Details