Cro (c) Norman Konrad

Der Heilsbringer des deutschen Rap rollt auf einem Skateboard zum Interviewtermin, ein kurzes „Hallo ich bin Carlo (Cro’s bürgerlicher Name: Carlo Waibel), sorry für die Verspätung“, dann pflanzt er sich auf die Couch.

So sieht er also aus, der 19-jährige Über-Nacht-Superstar: dunkelbraune Augen, Kurzhaarschnitt, Dauerlächeln, ein paar Bartstoppel, Shorts, Sneakers und ein graues T-Shirt. Fotografieren dürfen wir ihn so aber nicht, macht sein Manager klar, vor der Linse gibt’s Cro nur mit Panda-Maske. So kennen ihn die Fans, und bei diesem Versteckspiel soll es auch bleiben. Marke knuddelsüßer Bär rappt über sonnige Tage im Park als Gegengift zu Möchtegern- Gangster-Rappern, die Kids über ein Ghettoleben zulabern, das sie nicht führen. Für seine Debüt-Single „Easy“ kassierte Cro die Goldene Schallplatte, drei Songs seines im Juli erschienenen Albums „Roap“ landeten in den Charts. Los geht’s:


Nervt es dich, dass dieser Panda-Typ die ganze Bewunderung einheimst und keiner dein Gesicht kennt?

Mein Privatleben ist mir zu wichtig, um es aufzugeben – ohne diese Dosis Normalität könnte ich nicht überleben. Mir klatscht der Erfolg im Moment voll in die Fresse. Das kam alles völlig überraschend, vor allem für mich. Sobald die Maske weg ist, bin ich ja immer noch derselbe: der Carlo aus Stuttgart, der gerne mit seinen Leuten abhängt.

Dein Rap-Kollege Sido wurde lange vor dir auch dank seiner Totenkopfmaske berühmt.
Die meisten Leute sehen mich als eigenständigen Künstler und nicht als einen Typen der versucht, Sido nachzumachen. Ich würde schon mal gerne mit ihm quatschen – vielleicht kann er mir ein paar Tipps geben.

Gewisse Hardliner meinen ja, deine Musik hätte nichts mit Hip-Hop zu tun.
Ich sage ja auch, dass meine Musik kein Hip-Hop ist. Ich mische Rap und Pop, mache also „Raop“. Warum soll ich außerdem über Dinge wie Drogen texten, wenn ich im wirklichen Leben keine nehme? Meine Mucke kannst du Mama zeigen und sie wird auch mitswingen.

Was sagen deine Eltern zu deiner Berufswahl?
Bei Papa hat es eine Weile gedauert, bis er mit der Sache warm war, aber jetzt findet er es auch cool. Meine Mutter meinte immer: Mach einfach dein Ding, Junge. Ich denke, sie sehen das alles ganz entspannt, weil ich eine abgeschlossene Ausbildung als Mediendesigner habe und auch ohne Musik ganz gut über die Runden kommen würde.

Du zeichnest ja auch Cartoons und hast ein eigenes Modelabel. Bleibt dafür noch Zeit?
Jetzt gerade ist es schwierig, ich kritzle nur hin und wieder was im Bus oder in Hotels. Oder bastle, wie jetzt gerade. Ich meine: Ich reise herum, mache Musik, chille dazwischen ein bisschen und nenne es Arbeit. Besser geht‘s nicht.

Was machst du, wenn du nicht gerade ein Rockstarleben führst?
Aufstehen um neun, weil die Sonne mich küsst, draußen sind 30 Grad. Ich schnapp alle Kumpels und wir fahren an den See. Abends geht‘s auf ne Homeparty – dann fall ich ins Bett und weiß: Der morgige Tag wird genauso genial.

Wirkt das umgedrehte Kreuz auf deiner Pandamaske in diesem Sonnschein- Bild nicht störend?
Wieso, sieht doch cool aus.

Also kein Hinweis auf deine religiösen Ansichten?
Ich bin weder gläubig noch Antichrist. Irgendeine höhere Macht wird es schon geben, aber ich nenne sie nicht Gott oder Allah. Ich glaube an... Pandabären (lacht). Das sind lockere Tiere, die immer gut drauf sind.

Und vom Aussterben bedroht...
Das ist schade. Vielleicht versteigere ich meine erste Pandamaske und spende das Geld dem WWF. Oder ich übernehme eine Patenschaft in irgendeinem Zoo, wer weiß...


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