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Club Nachtresidenz-Clubmanager: „Auf der Höhe der Zeit”

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Tom wurde einst vom Gläserwäscher zum Clubmanager der Düsseldorfer Nachtresidenz befördert – und macht den Job schon ganz schön lange. Sein Erfolgsgeheimnis: Bloß nicht jeden Trend mitmachen.

Tom, was ist dein persönliches Horrorszenario für einen Abend in der Nachtresidenz?
Der GAU wäre natürlich, dass kein Gast mehr kommt. Was ich dann machen würde, keine Ahnung ... Es gibt mal so Abende, an denen scheinbar alles schief geht. Aber zum Glück ist dabei noch nichts derart Gravierendes passiert, dass es mir in den elf Jahren, in denen ich hier arbeite, im Kopf hängen geblieben wäre.

Elf Jahre ist auch schon ne Ecke Zeit. Seitdem managst die Nachtresidenz?
Nicht ganz. Zunächst habe ich hier nebenberuflich als Spüler gearbeitet, und daraus hat sich das dann entwickelt. Als eine Stelle frei geworden ist, habe ich meinen eigentlichen Hauptberuf auf Eis gelegt und bin hier eingestiegen.

Was war verkehrt beim alten Job?
Ich war in der Werbung tätig, was für mich auf Dauer aber keinen Sinn ergeben hat. Ich hatte da schon vier Jahre gearbeitet, es war mal Zeit für einen Wechsel.

Dann ist das schon eine Art Passion für dich, einen Club zu leiten?
Die Arbeit ist halt enorm abwechslungsreich und macht einfach Spaß. Man wird immer vor neue Aufgaben gestellt, was auch damit zusammenhängt, dass die Nachtresidenz nicht nur Disko, sondern auch Eventlocation ist. Das ist eine schöne, breite Aufstellung. Ein reiner Clubbetrieb würde mir weniger Spaß machen.

Welchen Stellenwert hat die Nachtresidenz denn in Düsseldorf?
Das müsste man eigentlich die Gäste fragen, die können das in der Regel besser einordnen als jemand, der schon recht voreingenommen ist. Ich denke, dass wir uns über die Jahre sehr gut positioniert haben – ansonsten würde es uns wohl kaum bereits über zehn Jahre geben!

Du sprichst es schon an: Ihr seid zwar etabliert, müsst euch aber auch bestimmt immer neu erfinden, um im Geschäft zu bleiben, oder?
Sicher muss man immer wieder neue Richtungen suchen. Wenn man sich anguckt, was man vor zehn Jahren gemacht hat, kann man das mit dem heutigen Stand überhaupt nicht mehr vergleichen. Vom Interieur und von den Partys ist das mittlerweile ein ganz anderes Konzept.

Hast du ein paar Tricks und Kniffe, um auf neue Ideen zu kommen? Schaut man sich dafür auch andere Clubs an?

Ich glaube, das läuft eher fremdgesteuert ab. Es fängt musikalisch an, da waren vor zehn Jahren einfach noch ganz andere Richtungen erwünscht, und geht weiter mit dem Kleidungsstil. Früher ist man im Anzug weggegangen, heute ist das wesentlich liberaler geworden. Die Leute gehen in Jeanshosen weg, sind stylisher geworden. Und so ändern sich die Trends, in denen man selbst vielleicht gar nicht drinsteckt, und man muss da dann ein bisschen mitlaufen. Ich glaube nicht unbedingt, dass wir Vorreiter sind, aber wir bewegen uns musikalisch oder in der Kleidungsfrage mindestens auf der Höhe der Zeit.

Ihr seid keine Vorreiter?
Na ja, ich denke, dass Diskotheken im Allgemeinen immer Vorreiter sind. In der Clublandschaft halten Trends noch am ehesten Einzug. Aber da wir nicht ganz klein sind – in die Nachtresidenz passen immerhin 2 000 Leute – kann man nicht jeden Trend mitmachen. Elektro/Minimal passt in dieser Größenordnung einfach nicht. Da kriegen wir den Laden nicht voll, die Leute tanzen zu der Musik eher in kleineren Locations.

Gehst du noch woanders feiern?
Natürlich guckt man sich auch andere Läden an. Wenn man im Urlaub ist zum Beispiel, oder wenn was Neues aufmacht und man hört, dass da ordentlich was abgeht. Das schaut man sich schon mal an, um mitzukriegen, was da geschieht, und eventuell neue eigene Ideen zu bekommen. Feiern kann ich dann aber weniger gut, man läuft schon eher mit der Brille „Clubbetreiber“ herum und kann nicht so richtig abschalten.

Könntest du dir vorstellen, irgendwann mal dein eigenes Ding zu machen?
Ein wenig ist die Nachtresidenz ja schon zu meinem Ding geworden. Mit der Zeit hat man einfach viele eigene Ideen gehabt und Herzblut reingesteckt, daher würde ich hier auch gerne noch weitere elf Jahren arbeiten! Aber prinzipiell vorstellen könnte ich mir schon, auch etwas anderes zu machen. Wobei ich nicht mal glaube, dass es so großartig anders werden würde. Nur kleiner wäre es definitiv.

Kannst du das, was du jetzt machst, noch mit 65 machen?
Ich weiß es nicht, ich hoffe nicht! Das Pensum, dass man jetzt abreißt, kann man wohl nicht mehr mit 60 machen. Dann hätte man wohl nichts mehr vom Leben. Aber als etwas zurückgezogener Clubinhaber kann ich mir das schon eher vorstellen.

Auf Dauer ist das Nachtleben wohl doch zu stressig, auch wenn dieser Stress ja nur bedeutet, dass es gut läuft, oder?
Ab und zu tut Stress auf einem gewissen Level auch gut, aber vielleicht nicht so auf Dauer. Wesentlich schlimmer sind allerdings die Abende, an denen man so rumssitzt und denkt: „Boah wie geht der Abend bloß rum?!“ Da ist es schon schöner und zeugt von Erfolg, wenn etwas passiert.

Apropos schön: Was sind die schönsten Momente in der Nachtresidenz?
Das ist sehr individuell und kann auch mal unter der Woche bei einer tollen Kundenveranstaltung sein. Ich persönlich mag es sehr, wenn die Leute hier mit strahlenden Gesichtern rausgehen, wenn das Essen gut war, die Show ausgezeichnet und alle zufrieden sind. Oder wenn am Wochenende der DJ die Leute packt und für eine Ausnahmestimmung sorgt – es sind die unterschiedlichsten Sachen, die für die schönsten Momente sorgen.
 

Wir haben den Club Nachtresidenz besucht und mit vielen geredet, die den Club so einzigartig machen. Lest ihre Geschichten hier.


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