Red Bull Flying Bach

Bach im Trainingsanzug

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Vartan Bassil, 34, aus Berlin-Kreuzberg, ist der Choreograph hinter dem Riesenerfolg von Red Bull Flying Bach. Im Interview erzählt der Breakdancer von Dynamik, Gefühl und Zukunftsplänen.


Wie geht man eine Bach-Choreographie als Tänzer an? Nach Gefühl?

Im Hip Hop würde man normalerweise nach Gefühl vorgehen und dem Aufbau des Stückes dynamisch folgen. Bei Red Bull Flying Bach läuft das anders, da verkörpern wir eine Fuge Bachs aus ihrem inneren Aufbau heraus. Das heißt, einzelne Tänzer stellen mit Figuren die drei bis fünf verschiedenen Stimmen einer Fuge dar: Einem wird etwa die hohe Stimme, einem zweiten die mittlere Lage und einem dritten die Bass-Stimme zugeteilt. Die Bandbreite der Gefühle ist bei Bach auch sehr breit – es gibt Jubelstücke, genauso wie traurige...

Wie war die Resonanz des Publikums bei den vergangenen zwölf Aufführungen?
Unglaublich gut. Die Altersgruppen waren gemischt, aber es waren sehr viele Klassikliebhaber im Publikum, die sehr gespannt drauf waren, wie wir Bach tänzerisch umsetzen würden. Gerade von dieser Gruppe bekamen wir sehr viel Anerkennung. Breakdance passt eben sehr gut zu Klassischer und Barocker Musik mit ihrer Spannung, Kraft und Dynamik.

Welche Rolle kam Christoph Hagel (Dirigent und Opernregisseur) bei Red Bull Flying Bach zu?
Er hat uns die Musik Bachs näher gebracht und schnell verstanden, worauf es beim Hip Hop ankommt. Es war eine Verschmelzung beider Stile und nur so konnte es zum Erfolg kommen. Einen wichtigen Anteil daran hatte auch die seit 2002 in Berlin lebende Japanerin Yui Kawaguchi. Yui ist eine technisch versierte Tänzerin mit fundierter Ausbildung in Modern und Contemporary Dance. Sie ging aus einem Casting von 20 Tänzerinnen hervor, es war uns eigentlich auf der Stelle klar, dass nur sie in Frage kommen würde.

Was denkst du, welche Musik würde Bach heute machen?
Boah, da bin ich überfragt, aber ich schätz mal etwas strukturiertes mit einem klaren Konzept.

Hörst du privat auch alte Musik?
Nicht bewusst, eher zufällig mal im Radio.

Welche Hip-Hop-Gruppen machen Sound nach deinem Geschmack?
Black Eyed Peas, DMX, Buster Rhymes; ich mag Bands, die mit der Zeit gehen und ihre musikalische Leidenschaft so vielen Leuten wie möglich nahe bringen. Andererseits höre ich aber auch Breakbeats, Jazz, House und Funk.

Welche anderen Werke Bachs, außer dem Wohltemperierten Klavier, ließen sich gut in tänzerische Bewegung umsetzen?
Es gibt eine ganze Menge an Werken, die sich gut umsetzen ließen, nicht nur von Bach. Es kommt bloß aufs „Wie“ an. Tänzerische Dynamiken auf andere Komponisten umzusetzen wäre nicht schwer. Ich würde auch sehr gern mal mit einem richtig großen Orchester zusammenarbeiten.

Kannst du eigentlich Noten lesen?
Nein, aber anhand der Notenblätter konnte ich zumindest die hohen und tiefen Stimmen unterscheiden und den Beginn neuer Takte erkennen.

Was sind deine nächsten Projekte?
Mit Red Bull Flying Bach bekamen wir bereits so viele Anfragen, unter anderem aus China und Kanada, dass wir vielleicht mit dem Projekt weltweit unterwegs sein werden. Uns würde aber auch etwas ähnliches mit den Vier Jahreszeiten von Vivaldi vorschweben. Mal sehen.



Red Bull Flying Bach

Die Flying Steps tanzen zu Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier.
Neue Nationalgalerie, Kulturforum am Potsdamer Platz, Berlin.

Zusatztermine:
15. Mai 2010 – 21:00 Uhr
16. Mai 2010 – 21:00 Uhr
17. Mai 2010 – 21:00 Uhr

Tickets von 16 Euro (ermäßigt) bis 33 Euro gibt es unter www.ticketonline.com.
 


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