370 Seelen zählt die Schweizer Gemeinde Sisikon. Am 5. September gesellen sich beim Red Bull Cliff Diving World Series-Event 13 der weltbesten Klippenspringer und 5000 Schaulustige dazu.
Gewiss, der Tellsprung ist mythologisch bedeutsamer. In jüngerer Zeit gab es aber kaum je so viel Aufmerksamkeit für das Urnerseeufer, wie jetzt, wo die Red Bull Cliff Diving World Series vor der Tür stehen, schon gar nicht für das kleine Dorf Sisikon. „Sonst kommen wir nur in die Medien, wenn die Axenstraße gesperrt wird oder Lamas ausreißen“, erklärt der Teamleader OK-Sisikon Adrian Scheiber. Entsprechend stolz und aufgeregt sei die Sisiker Bevölkerung. Wenn die besten Klippenspringer der Welt am 5. September aus 26 Metern Höhe in den Urnersee tauchen werden 5000 Zuschauer in der 370-Seelengemeinde erwartet.
Ein Dorf, ein Event
Rekordverdächtig ist auch der Anteil der Dorfbevölkerung, der an der Veranstaltung mitarbeitet. 150 Helferinnen und Helfer haben Adrian Scheiber und sein Team motivieren können. Fast jeder und jede Zweite übernimmt eine Aufgabe, vom Schulkind bis zur aktiven Seniorin. „Seit der Bau der Sprungplattform begonnen hat, sehen die Leute, dass das Ganze wirklich stattfindet und nicht nur ein Medien-Hype ist“, freut sich der Teamleader OK-Sisikon. Größer wird das Dorf, das sich am Seeufer an steile Bergflanken schmiegt, durch das Spektakel nicht – oder nur ein bisschen: Eine schwimmende Plattform bietet zirka 1000 Zuschauern Platz. Beste Perspektiven bieten auch Gummiboote, Kajaks, Luftmatratzen oder Surfboards. Allen Kautschuk-Kapitänen stehen am Seeufer automatische Pumpen zur Verfügung. „Danach genügen zwei Paddelschläge mit den Füßen und man ist bestens platziert“, verspricht Adrian Scheiber. Willkommen sind auch Motorboote und Segelschiffe. Eine besonders attraktive Zone steht jenen Kähnen offen, die auf dem Vierwaldstättersee zugelassen sind. Aber auch von etwas weiter weg sieht man die Cliff Diver noch bestens.
Schweizer, zu Lande, zu Wasser und in der Luft
Favorit ist der neunfache Weltmeister aus Kolumbien, Orlando Duque. Dass er seine Siege nicht geschenkt kriegt, dafür sorgen beispielsweise der Engländer Gary Hunt oder der Russe Artem Silchenko. Schweizer gehören seit dem frühen Rücktritt von Daniel Locher (Vize-Europameister 2004) nicht mehr zur Weltspitze. In Sisikon wird der Ex-Springer und angehende Pfarrer als Co-Moderator dabei sein. Als Lokalmatador mit Wildcard stürzt sich der 43-jährige Mäge Frei in die Tiefe. „Einfache und sichere Sprünge“, werde er zeigen, verspricht der Fitness-Instruktor, „zum Beispiel einen Doppelsalto mit halber Schraube.“ Ein Urgestein des High Diving in der Schweiz sitzt in der Jury: Peter Rüedi (64), pensionierter Swissair-Pilot, springt immer noch. „Aber nicht aus 26 Metern. Das ist mir zu hoch. 22 Meter sind genau richtig.“ Mit im Jury-Boot sitzt Jacqueline Schneider, Olympiafinalistin in Sydney im Springen vom Drei-Meter-Brett.
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