Andrea Binning mit Kind © Klaus Polzer


Vergangene Woche feierte sie ihren 35. Geburtstag, vor vier Monaten die Geburt ihres Sohnes Aksel Kristoffer – die Ausnahme-Freeriderin Andrea Binning im Interview über ihre neue Verantwortung, das Schifahren in der Antarktis und die Klimaerwärmung:

 
Herzlichen Glückwunsch zum Baby! Wie geht eine Pro-Schifahrerin mit dieser Veränderung im Leben um?
Als ich erfuhr, dass ich schwanger war, war ich zunächst sehr überrascht und dachte mir: Jetzt wird alles anders! Da fragt man sich schon: Kann ich so weitermachen wie bisher? Und selbstverständlich hat sich mein Leben jetzt grundlegend geändert. Die Prioritäten haben sich verschoben, Aksel Kristoffer ist zum Mittelpunkt meines Lebens geworden, alles muss besser organisiert werden. Aber im Großen und Ganzen lebe ich mein Leben wie bisher.
 
Wie verhält es sich jetzt mit deiner Risikobereitschaft?
Natürlich denkst du ganz anders über Risiko wenn du ein Kind hast. Du bist Mutter, du gehst nicht mehr so viel Risiko ein, du hast jetzt Verantwortung deinem Kind gegenüber. Ich fahre zwar nach wie vor die Berge hinunter, aber immer mit dem besonderen Hintergedanken, jetzt auch die Verantwortung für meinen Sohn zu haben.
 
Gibt es etwas, das du vermisst?
Das Leben ist viel schöner geworden! Das einzige, was ich vermisse, ist gemeinsam mit meinem Mann, der ja auch Profi-Schifahrer ist, Schi fahren zu gehen. Das können wir nur, wenn die Großeltern auf Aksel aufpassen. Aber sobald er in die Schule geht,  wird dafür wieder mehr Zeit sein. Unser Kind wird in Frankreich eingeschult, und da beginnt die Schule im Alter von drei Jahren.
 
Was wäre eigentlich, wenn euer Kind später mal nicht Schi fahren will?
Wir werden Aksel zu nichts zwingen, er soll später einmal für sich selbst entscheiden was er machen möchte. Natürlich wäre es mir lieber er würde seine Liebe zur Natur und zum Sport entwickeln und nicht nur vorm Computer sitzen. Und ich denke auch, dass er das tun wird, nachdem wir ihm diese Leidenschaft vorleben und ihn sicherlich unbewusst damit beeinflussen.
 
Wohin geht der erste Urlaub mit dem Baby? In die Berge oder ans Meer?
Wir waren bereits in Norwegen mit ihm und auf einem Kurztrip in Österreich. Ende des Winters werden wir dann nach Australien fliegen.
 
Gibt es eine Altersgrenze für Freerider?
Mittlerweile nicht mehr. Es zählt viel mehr die Erfahrung, die man sich in diesem Sport über die Jahre erarbeitet. Das ist etwas, was du auch nicht mehr verlierst. Deshalb sind die Freerider im Durchschnitt auch älter als die Alpinen. Es zählen Reife und Erfahrung.
 
Wer ist für dich derzeit der beste Freerider der Welt?
Gute Frage, ich würde sagen das ist Ingrid Backstrom. Sie setzt derzeit neue Standards im Freeriding-Sport der Damen, Respekt!
 
Du warst Ende 2009 in der Antarktis. Der Film über dieses Abenteuer hatte im Herbst des Vorjahres Premiere. Wie kommt man auf die Idee,  am Ende der Welt Schi zu fahren und daraus einen Film zu machen?
Die Idee stammt von Chris Davenport, dem Produzenten des Films, der zusammen mit meinem Mann die Expedition plante. Sie dachten, dass sich eine Frau im Team gut machen würde und so kam ich mit. Es war der beste Trip meines Lebens, die größte Herausforderung, der ich mich je gestellt hatte und für die ich meine 10 Jahre Freeriding-Erfahrung gut gebrauchen konnte. Eine unglaubliche Möglichkeit, die sich nicht jeden Tag bietet und von der ich nicht weiß, ob ich sie jemals wieder haben werde.
 
Wie lang wart ihr unterwegs?
Die Anreise per Boot dauerte 4 Tage, die Rückfahrt ebenfalls so lange. In der Antarktis waren wir dann ein wenig mehr als 2 Wochen unterwegs.
 
Was war das Beeindruckendste an der Reise?
Das war die Natur als solches, die Entlegenheit und Reinheit der Antarktis. Bei der Hinfahrt konnten wir Wale beobachten und Pinguine, wir fuhren an Eisbergen vorbei… Es war einfach unglaublich schön.
 
Gibt es einen Unterschied zum Schnee in Europa?
Es war erstaunlich warm, fast so wie im April in Europa, er herrschten frühlingshafte Bedingungen. Der Schnee war nicht tief und ließ sich leicht befahren und begehen. Dadurch herrschte auch keine Lawinengefahr, was besonders für das Tourengehen von Vorteil war. Es war unglaublich, ich fuhr über die wahrscheinlich steilsten Hänge meines Lebens.
 
Sorgst du dich als Outdoor-Sportlerin wegen der Klimaerwärmung?
Derzeit haben wir zwar wieder mehr Schnee, aber ich merke, dass sich unsere Umwelt verändert. Und natürlich mache ich mir Gedanken über einen bewussteren Umgang mit Energie und auch mit dem, was wir in den Bergen tun. Das sind wir der nächsten Generation einfach schuldig!
 
 
www.andreabinning.com
http://antarcticskiodyssey.com/index.php

 


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