Red Bull Flying Bach

„Wie soll ein Breakdancer die Ewigkeit darstellen?“

Christoph Hagel und die Flying Steps Red Bull Photofiles

Vom 13. April bis 1. Mai tanzen die vierfachen Breakdance-Weltmeister Flying Steps in der Neuen Nationalgalerie zu Johann Sebastian Bachs „Wohltemperierten Klavier“ und lassen in zwölf Aufführungen Breakdance auf Klassik treffen. Die künstlerische Leitung von „Red Bull Flying Bach“ hat Dirigent und Regisseur Christoph Hagel übernommen, der sich mit Operninszenierungen an ungewöhnlichen Orten einen Namen machte. Im Interview spricht er über die Verwandschaft von Bach und Breakdance, die Zusammenarbeit mit den Flying Steps und seine Motivation, Crossover-Projekte zu inszenieren.

Herr Hagel, wie entstand die Idee, Bach und Breakdance zusammen zu bringen?

Als ich die Flying Steps vor einem Jahr kennen lernte und sah, welche grandiosen Tänzer sie sind, wollte ich unbedingt ein Projekt mit ihnen produzieren. Umgekehrt hatten sie den großen Traum, ein eigenes Stück auf die Bühne zu bringen. Nur zu welcher Musik? Ich habe mir angeschaut, wie ihre Bewegungen funktionieren und erkannt, dass Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ am besten zu ihnen passt: Weil sie so scharf, so konkret, so cool tanzen können, wie Bach Stimmen gegeneinander setzt.

Sie sehen Gemeinsamkeiten zwischen Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ und Breakdance?
Es gibt da eine Verwandtschaft: Lässt sich doch der kontrapunktische Rhythmus von Bachs Fugen wunderbar mit diesem Tanz darstellen, besser auf jeden Fall als mit klassischem Ballett. Breakdance und Bach gestalten – einmal visuell und einmal akustisch – die Zeit auf ähnliche Weise.

War es nicht schwierig, die beiden Welten zusammenzubringen?
Einerseits trafen verschiedene Vokabulare aufeinander: Hier Thema, Kontrapunkt, Zwischenspiel, Modulation. Dort Commander, Hardbeat, Toprock... Die größten Schwierigkeiten bereiteten uns andererseits die langsamen Fugen ohne scharfen Rhythmus, Stücke, die von der Ewigkeit handeln: Wie soll ein Breakdancer die Ewigkeit darstellen? Das war eine Herausforderung.

Wie sah die Zusammenarbeit mit den vierfachen Breakdance-Weltmeistern aus?
Meine Aufgabe bei „Red Bull Flying Bach“ war es, die Musik analytisch zu erklären: Den Tänzern verständlich zu machen, wie kunstvoll und raffiniert Bach komponiert hat. Aus der Choreographie des Stückes hingegen habe ich mich eher herausgehalten. Schließlich sollte es ihr Bach werden, den sie mit ihrer Art zu Denken, ihren eigenen Bewegungen umsetzen.

Mussten Sie dazu Bach vom Sockel der Hochkultur herunter holen?
Wir wollten Bach nichts von seiner Heiligkeit nehmen. Aber in den besten Momenten bekommt seine Musik durch die Interpretation der Breakdancer eine ganz erfrischende Fröhlichkeit.
Die Energie der Tänzer strahlt auf Bachs Fugen zurück. Die Flying Steps haben ja eine ganz unprätentiöse Art, Musik zu hören und zu interpretieren. Ich hoffe, wir bringen das „Wohltemperierte Klavier“ auf diese Weise in eine Welt, die sich bisher nicht dafür interessiert hat.

Was ist Ihnen bei Ihren Inszenierungen besonders wichtig?
Meine Projekte zielen immer auf die Integration heutiger Lebensgefühle in Werke der Hochkultur. Allerdings hatte ich zuvor noch nie mit einer Breakdance-Gruppe gearbeitet. Daraus habe ich einiges gelernt: Vor allem bewundere ich, wie direkt und energiegeladen sich die Breakdancer in die Welt stürzen – das kenne ich von den verkopften Hochkulturellen nicht. Letztlich möchte ich mit „Red Bull Flying Bach“ zeigen, dass Bach vitale Musik ist und HipHop große Kunst sein kann.“

 

Red Bull Flying Bach

Die Flying Steps tanzen HipHop zu Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier

Neue Nationalgalerie, Kulturforum am Potsdamer Platz, Berlin

Künstlerische Leitung: Christoph Hagel

Choreographie: Vartan Bassil

13. April bis 1. Mai 2010 jeweils 20:30 Uhr

Tickets: www.ticketonline.com

Veranstalter: FS Entertainment GmbH
 


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