Felix Baumgartner möchte mit einem Ballon in die Stratosphäre aufsteigen und von dort schneller als der Schall zu Boden stürzen. Im Interview spricht er über Angst, Adrenalin-Geschwätz und die Sinnhaftigkeit seines Rekordversuchs.
Ihr neues Projekt heißt „Red Bull Stratos. Mission to the Edge of Space“. Worum geht es?
Es geht darum, eines der letzten großen Abenteuer zu bestreiten. Die höchsten Berge sind bereits bezwungen, der Atlantik überquert, und der Mensch war bereits am Mond – doch noch nie hat ein Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrochen. Und genau das reizt mich. Außerdem: Wenn dies gelingt, wäre das die höchste bemannte Ballonfahrt, der längste freie Fall, die größte im freien Fall erreichte Geschwindigkeit und der höchste Absprung der Welt.
Wie stellen Sie persönlich sich den Rekordversuch vor?
Alles rund um mich wird schwarz sein. Ich bin allein in der Stratosphäre. Wenn ich aussteige, mache ich mich auf eine Reise, die noch kein Mensch vor mir zurückgelegt hat. Ich werde der erste Mensch sein, der die Schallmauer durchbricht. Das ist ein Rekord
für die Ewigkeit. Auf diese Weise wird ein Stück von mir unsterblich.
Was ist das Reizvolle daran, im Geschichtsbuch zu stehen?
Ich will der Welt etwas hinterlassen. Ich war immer ein Fan von Leuten wie James Dean oder Ayrton Senna, die schon lange tot sind, aber noch immer in ihren Fans weiterleben. Ich habe oft darüber nachgedacht, warum man Menschen wie sie nicht vergisst: Weil sie etwas hinterlassen haben, woran es sich zu denken lohnt. Weil sie Spuren hinterlassen. Das ist
es: Ich will Spuren hinterlassen.
Wie weit sind Sie mit den Tests?
Sehr weit. So habe ich etwa die Tests mit dem Druckanzug hinter mir. Ich war bereits auf simulierten 40 Kilometer Höhe und habe das gut vertragen.
Wie viel Zeit verbringen Sie im Anzug?
Möglichst viel. Joseph Kittinger (der bisherige Rekordhalter für den höchsten Sprung und Berater in Baumgartners Team, Anm.) im hat zu mir gesagt: „You have to sing and dance in your suit until you like it.“ Sonst bist du in dieser Höhe plötzlich hoffnungslos überfordert.
Was ist für Sie die wichtigste Herausforderung bei Red Bull Stratos?
Lebend zur Erde zurückzukehren.
Fürchten Sie sich vor der Stunde null?
Ich habe Respekt davor, denn noch nie in meinem ganzen Leben war ich so abhängig von meiner Technik und meinem Team.
Stellen Sie sich den Moment, wenn Sie losspringen, bildlich vor?
Ja, ich bin diesen Sprung schon tausend Mal gedanklich durchgegangen, und eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, ist: „Was werde ich kurz vor dem Sprung sagen?“
Was unterscheidet einen guten von einem schlechten Extremsportler?
Ein guter Sportler trifft die richtigen Entscheidungen. Ich habe im Lauf meiner Karriere die ganz wichtige Fähigkeit entwickeln müssen, nein zu sagen.
Wann ist Nein die richtige Antwort?
Zum Beispiel auf dem höchsten Gebäude der Welt: Es erfordert sehr viel Aufwand, um dort hinaufzukommen. Dann stehst du oben, und es ist zu viel Wind. Und dann sollst du wieder hinuntergehen, und du weißt nicht, ob du’s noch einmal hierher aufs Dach schaffst. Der Rückzug ist ein schwieriger Gang.
Sie kamen nie in Versuchung, leichtsinnig zu sein?
Es zählt nur, wer wieder runterkommt, hat Reinhold Messner einmal gesagt.
Ist B.A.S.E-Jumping Sport oder Show?
Eine Herausforderung. Ich wollte immer der Beste sein, schon beim Sackhüpfen in der Schule. Ich bin ein Ehrgeizler.
Sind Sie ein Adrenalin-Junkie?
Ich bin der größte Gegner von dem Adrenalin-Junkie-Geschwätz. Ich habe auch keinen besonderen Spaß daran, mich in Gefahr zu begeben. Ich habe ein Ziel vor Augen, und wenn dieses Ziel bedingt, dass ich mich dafür auch in Gefahr begeben muss, gehe ich das Risiko ein. Ich bin kein wilder Hund.
Sondern?
Ein guter Vorbereiter. Ich kalkuliere das Risiko, bis es möglichst gering ist. Nur deshalb kann ich mich in dieser Dimension von Projekten bewegen, wie ich es derzeit tue.
Stellen Sie sich manchmal die Frage nach dem Sinn dessen, was Sie tun?
Ich weiß, dass ich vielen Menschen Freude bereite. Und ich weiß, dass gerade in Zeiten, in denen es nicht so gut läuft, die Menschen ein Bedürfnis nach Helden haben.
Was kommt nach Red Bull Stratos?
So wie es aussieht, ist Red Bull Stratos mein Abschlussprojekt. Wenn alles gut über die Bühne geht, werde ich mich meiner neuen Karriere als Hubschrauber-Berufspilot zuwenden.
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