Die Flying Steps gehören zu den erfolgreichsten Urban Dance-Gruppen der Welt. Mit „Red Bull Flying Bach“ bringen die vierfachen Breakdance-Weltmeister nun ihr erstes Crossover-Projekt auf die große Bühne: In der Neuen Nationalgalerie in Berlin interpretieren sie vom 13. April bis 1. Mai in zwölf Aufführungen Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertes Klavier“. Im Interview spricht Vartan Bassil, der 1993 die Flying Steps in Berlin gründete und für die Choreographie des Stückes verantwortlich zeichnet, über Bachs Fugen, unterschiedliche Tanzstile und Breakdance als Kunst.
Wie kam das Projekt zustande?
Wir hatten Christoph Hagel bereits vor „Red Bull Flying Bach“ kennen gelernt – damals sollten die Flying Steps in einer seiner Produktionen mitwirken, die dann nicht zu Stande kam. Wir erzählten ihm, dass wir schon immer davon geträumt haben, eine eigene große Produktion auf die Beine zu stellen. Die Idee, dafür Bach zu nehmen, kam dann von ihm. Nach einer ersten Tanzprobe zum „Wohltemperierten Klavier“ war klar, dass wir zusammenarbeiten wollten.
Was hat Sie an dieser Konstellation gereizt?
Für uns Tänzer ist es eine große Herausforderung etwas zu Klassik zu produzieren. Bei HipHop orientieren wir uns an den Beats. Bei Bach müssen wir auch ruhige Klänge in Körperbewegungen umsetzen, mit unserem Tanzstil die Stimmung des Stückes wiedergeben.
Wie unterscheidet sich Ihre Inszenierung von bisherigen Versuchen, Klassik in Breakdance umzusetzen?
Bei früheren Versuchen, diese beiden Welten zusammenzubringen, haben Breakdancer lediglich Akzente zur Musik gesetzt. Bei „Red Bull Flying Bach“ aber arbeiten wir mit den einzelnen Stimmen: Das heißt, einem Tänzer wird etwa die hohe Stimme, einem zweiten die mittlere Lage und einem dritten die Bass-Stimme zugeteilt. So verkörpern wir eine Fuge Bachs aus ihrem inneren Aufbau heraus.
Beschäftigen sich die Flying Steps zum ersten Mal mit Klassik?
Den Wunsch, ein Crossover-Projekt zu machen, hatten wir schon länger. Aber erst mit Christoph Hagel haben wir einen Künstler gefunden, der uns zu einem tieferen Verständnis dieser Musik verholfen hat. Durch ihn haben wir das erste Mal gelernt, die Noten nicht nur zu verkörpern, sondern auch zu lesen. Den Aufbau der Musik zu verstehen. Wir können inzwischen die verschiedenen Stimmen und den Kontrapunkt vom Blatt weg tanzen!
Was ist die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Stückes?
Beim Breakdance gibt es vier Schritte, die nach bestimmten Takten gebaut sind. In der Klassik aber wird anders gezählt. Wir mussten dementsprechend auch die Tanzschritte abändern. Außerdem
spielt in diesem Kontext das schauspielerische Element eine größere Rolle. Beim Breakdance steht eher die Technik und Akrobatik im Vordergrund, die Kombination der einzelnen Moves. Für „Red Bull Flying Bach“ aber wollten wir auch die Emotionen der Musik im Tanz darstellen. Wir haben sehr lange an einer entsprechenden Storyline gearbeitet.
Sie haben für das Stück einen neuen Tanzstil erfunden?
Das wäre vielleicht zu weit gegriffen. Aber durch das Crossover haben wir viele Tanzstile auf originelle Weise miteinander gemischt: Das geht vom klassischen Breakdance über Popping, Locking, House, Krumping bis zu einigen Modern Dance-Elementen. Das kann auf den Betrachter durchaus wie ein ganz neuer Tanzstil wirken.
Was hoffen Sie mit „Red Bull Flying Bach“ zu erreichen?
Wir möchten den Zuschauern verdeutlichen, dass Breakdance mehr ist als ein Sport oder eine Straßenkultur. Jetzt haben wir die Chance, unsere Kunst in einem völlig neuen Licht jenseits der Straße zu präsentieren.
Red Bull Flying Bach
Die Flying Steps tanzen HipHop zu Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier
Neue Nationalgalerie, Kulturforum am Potsdamer Platz, Berlin
Künstlerische Leitung: Christoph Hagel
Choreographie: Vartan Bassil
13. April bis 1. Mai 2010 jeweils 20:30 Uhr
Tickets: www.ticketonline.com
Veranstalter: FS Entertainment GmbH
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